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20. Juli 2019

Das Märchen der inversen Zinskurve


Anfang Dezember 2018 wurde deutlich, wie nervös die Aktienmärkte waren. Der US-Leitindex DOW verlor an einem Tag über 3 Prozent – und der Grund war schnell gefunden – die inverse Zinskurve. Laut Lehrbuch steigt die Rendite bei Anleihen, je länger das Geld angelegt wird. Deutlich wird dies an der sogenannten Zinskurve, doch in seltenen Fällen ist die Rendite für kurz laufenden Anlagen höher als für Langläufer.

In diesem Fall spricht man von einer inversen Zinskurve. In den letzten 65 Jahren rutschte die Wirtschaft in den USA neunmal in eine Rezession, in allen Fällen kehrte sich die Zinskurve zuvor um. Nur einmal gab es ein Fehlsignal! Der Verlauf von Renditen und Kursen bei Anleihen – und darüber sprechen wir – bedeutet, dass für eine inverse Zinskurve die Kurse am kurzen Ende fallen und am langen Ende steigen müssen.

Was ist der Grund für die Annahme einer Rezession
Eine Theorie beinhaltet, dass Anleger aus kurz- in langlaufenden Anleihen umschichten, weil eine Rezession und sinkende Zinsen befürchtet werden. Das würde in der Praxis bedeuten, dass die Anleger immer frühzeitig wissen oder erkennen – dass eine Rezession kommt. Wenn das wirklich so funktionieren würde, wäre das ganze Geschehen relativ einfach zu handhaben.

Aber hier ist wohl wieder eher der „Wunsch Vater des Gedankens“. In Boomphasen erhöht die Notenbank die Zinsen oft am kurzen Ende zu stark und bringt dadurch die Konjunktur ins Stottern. Diese leicht abzuschwächen, wäre sinnvoller. Also war Trump vielleicht doch zu recht sauer auf die Notenbank, weil die Fed die Zinsen zu schnell erhöht hat. Obwohl es schwer vorstellbar ist, dass er die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge alle richtig einschätzen kann. Manche Konjunkturindikatoren reagieren wahrscheinlich auch zu träge und spät auf die aktuelle Situation. Vielleicht liegt die Wahrheit in der Mitte.

Die Zinskurve war aber seit 2007 gar nicht wirklich invers

Wer sich die Zinskurve einmal genau ansieht – und das sollte man als Börsianer – stellt fest, dass lediglich die Rendite für die dreijährigen Anleihen am 03.12.2018 leicht über der Rendite für fünfjährige Anleihen gestiegen war.

Wenn eine Rezession droht, muss aber ein Großteil der Zinskurve betroffen sein, außerdem die auch wichtigsten Zinsdifferenzen, also zum Beispiel 10 Jahre zu 3 Monaten etc. Auf alle möglichen Zinsdifferenzen bezogen, waren lediglich 4 Prozent der Zinskurven betroffen. Für ein deutliches Signal sind aber mindestens 50 Prozent erforderlich. Die Zeitspanne zwischen einer inversen Zinskurve bis zur Rezession soll im übrigen bis 34 Monate dauern – wenn es denn überhaupt soweit kommt.

Also alles reine Panikmache und absolute Höhenangst, dazu tragen dann auch sehr oft die neuen Medien bei. Heute kann kurzfristig sehr schnell Angst und Panik erzeugt – und in Minuten verbreitet werden. Blondie aus Amerika ist doch das beste Beispiel dafür. Marius Müller-Westernhagen hat doch in den achtziger Jahren schon gesungen – keine Ahnung, keine Meinung, kein Konzept!

Irgendwann musste doch mal eine deutliche Korrektur kommen, was letztendlich auch nur Gesund ist. Die Zinskurve der wichtigsten Differenzen zeigt zwar abwärts, aber bis dies gravierende Folgen hat – wenn überhaupt – wird noch einige Zeit vergehen. Bis dahin können Anleger ggf. noch von deutlich steigenden Aktienmärkten profitieren, zumal es in den letzten Tagen auch schon wieder deutlich nach oben ging.

Unser Tipp:
Mit einem breit gestreuten ETF kann man auch in turbulenten Börszeiten ruhig schlafen und langfristig gute Renditen erzielen. Dafür bietet sich ein Robo-Advisor – digitale Online-Vermögensverwaltung an. Wir haben einen ausführlichen Vergleich dazu erstellt, die Renditen können sich wirklich sehen lassen – und das bei wirklich sehr gringen Kosten und Mindestanlagesummen.



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