Finanzlexikon L

L3-Gremien (L3-Committees): Die drei Gremien Ausschuss der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörden (CESR), Ausschuss der Europäischen Bankenaufsichtsbehörden (CEBS) und Ausschuss der Europäischen Aufsichtsbehörden für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (CEIOPS). Siehe Three Level three Committees, Taskforce on Cross-Sectoral Risks to Financial Stability in Europe. Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 43 f. (Stärkung der Rolle der L3-Gremien bei der Angleichung der Aufsichtspraxis; Verfahrensregelungen; Rechtsverbindlichkeit der Beschlüsse), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 63 (Leitfaden für die Arbeit und Zusammenarbeit der Aufsichtsgremien). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Lachsteingeld (boundary-stone fee): Frühere Gebühr, die beim Setzen eines Grenzsteins (Lachsteins; merestone) im Bergbau an den Geometer (Vermesser, im Bergbau auch Markscheider genannt) bzw. an den Bergmeister (mine-inspector) zu entrichten war. Gemäss Bergrecht (mining law) hatte der Bergmeister in der Regel das Recht, einen Markscheider (mine surveyor) zu bestellen und die Aufwendungen für die Vermessung auf die Gewerken (die Eigentümer des Bergwerks) anteilsmässig (pro rata, proportionately) umzulegen. Siehe Diäten, Massgeld, Vermessungsgeld. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Lagging (so auch im Deutschen gesagt): Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter in Zusammenhang mit Zahlungsverpflichtungen in ausländischer Währung einen Aufschub des Umtauschs bis zum letztmöglichen Zeitpunkt. Grund dafür sind entsprechende Erwartungen hinsichtlich des Verlaufs des Wechselkurses der betroffenen Währungen. Wird der Umtausch aus gleichen Gründen zum frühest möglichen Termin vorgenommen, so spricht man von Leading. Siehe Devisenswapgeschäft, Kurssicherung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Länder-Bonitätsskala (international state rating): International viel beachtete, auf Befragungen in der Finanzwelt sich gründende Einstufung der Staaten der Erde hinsichtlich ihrer Kreditwürdigkeit durch das amerikanische “Institutional Investor Magazine”. Im Jahr 2007 lag Deutschland auf Platz 7, Dänemark auf Platz 6, gefolgt von Finnland, den Niederlanden, Luxemburg und Norwegen. Spitzenreiter ist durch die Jahre bis anhin immer die Schweiz. Siehe Länder-Bonus. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Länder-Bonus (national bonus): Von den Rating-Agenturen im Zuge der auf die Subprime-Krise 2007 folgenden Finanzkrise an vordere Stelle gerückter Beurteilungsmasstab, bei dem die ökonomische Kraft des Heimatlandes einer Emission berücksichtigt wird. Genauer wird vor allem eingeschätzt, ob ein Schuldner (und im besonderen eine Bank) sich notfalls auf Hilfe des Staates verlassen kann bzw. inwieweit die Steuereinnahmen eines Landes reichen, um Staatsanleihen auch in Notzeiten zu bedienen. Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Anleihe-Spread, Auslands-Vermögenslage, Bail-out, EU-Finanzhilfe, Euro-Bonds, Euro-Anleihen, gemeinsame, Government Guaranteed Bond, Government Spreads, Rettungspaket, Too big to save-Grundsatz. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Länderfonds (country-specific fund): Vermögen einer Kapitalanlagegesellschaft, dessen Portefeuille auf ein einziges Land (etwa die Schweiz) oder auf ein Währungsgebiet (wie die Eurozone) ausgerichtet ist. Siehe Aktienfonds, Anteilschein, Auftragsfonds, Finanzintermediäre, Immobilienfonds, Inventarwert, Kapitalanlagegesellschaft, Publikumsfonds, Rentenfonds, Spezialfonds, Steuerspar-Fonds, Vermögensverwalter. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Länderrisiko (country risk, international risk): Form des operationellen Risikos einer Bank, die auch nennenswert im Ausland tätig. In erster Linie ist hierbei ein politisches Risiko und ein Transferrisiko angesprochen. Da einige Grossbanken im Eurogebiet ein Viertel ihrer Erträge aus dem Geschäft mit den USA erzielen, andere Institute (wie in Spanien und Portugal) traditionell stark in Lateinamerika vertreten sind, so stellt dies an das Risikomanagement besondere Anforderungen. So mussten beispielsweise spanische Banken gelegentlich einer Finanzkrise in Argentinien 2001 ihr gesamtes Kreditengagement in diesem Land abschreiben.

Um Länderrisiko-Konzentrationen deutscher Banken frühzeitig zu erkennen und aufsichtsrechtlich zu überwachen, müssen diese vierteljährlich gemäss § 25, Abs. 3 KWG Meldungen zum Auslandskreditvolumen einreichen. Im einzelnen ist dies in einer mehrfach novellierten Länderrisikoverordnung (LrV) festgelegt. Siehe Allianzen, grenzüberschreitende, Asset-Korrelation, Auslandskreditvolumen, Gigabank, Herfindahl-Hirschman-Index, Transferrisiken. Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 58 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2006, S. 43 (Fragen der Messung), S. 53 (Rechtsquellen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 111 (Änderung der Länderrisikoverordnung). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Landesbank (Land bank): In Deutschland ehemals Spitzeninstitut der Sparkassen mit öffentlich-rechtlichem Charakter; in den Statistiken der Bundesbank bis 1998 Girozentrale (giro centre) genannt. Von der Europäischen Kommission als wettbewerbsverzerrend gerügt, befinden sich die Landesbanken derzeit in einem Umwandlungsprozess. Bestehende Staatsgarantien (die sog. Gewährträgerhaftung) mussten bereits bis Mitte 2005 fallen.

Seither ist die Entwicklung im Fluss und schwer abschätzbar. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass es in Deutschland über kurz oder lang zu nur einem einzigen Institut (“Top-Landesbank”) kommt. Die SachsenLB war im Zuge der Subprime-Krise gezwungen, sich mit der Landesbank Baden-Württemberg zu verschmelzen. Lange Jahre hatten die Landesbanken im Sinne der jeweiligen Landesregierung Vorhaben zu Dumpingpreisen finanziert. Weil der Staat im Notfall einspringt, war die Bonität der Landesbanken erstklassig, und die Refinanzierung der Darlehn entsprechend günstig. Die Vorstands- und Aufsichtsrats-Posten waren weithin mit Parteitreuen (factionists) besetzt. Beim Übergang von der privilegierten Staatsbank zu einem normalen Institut zeigten sich indessen die Schwächen im Gefüge der Landesbanken.


Die Wesdeutsche Landesbank und die Landesbank Baden-Württemberg fuhren 2007 Verluste von jeweils rund 1 Milliarden Euro ein, die Bayrische Landesbank verlor 1,9 Milliarden Euro. In allen Fällen geschah eine Sanierung aus Steuermitteln. Das verhinderte, dass es zu einer grundlegenden Bereinigung der Geschäftstätigkeit dieser Institute kam. Siehe Arrangierung, Blind-Taub-Verbindung, Geschäftsmodell-Analyse, Gewährträgerhaftung, Gigabank, Spitzeninstitut, Vertikalisierung, Westdeutsche Landesbank, Zentralkasse. Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 63 f., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 23, S. 91 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 110 f. (Umstrukturierungs-Massnahmen), Jahresbericht 2005 der BaFin, S 25 f. (Beschreibung der verschiedenen Strategien der Landesbanken zur Anpassung an die neue Rechtslage), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 19 f. (auch Auslandsgeschäft rückt wieder vor), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 135 ff. (Umstrukturierung der WestLB; existenzgefährdende Zustände bei der HSH Nordbank). sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel “Aufsicht über Banken, Finanzdienstleistungs- und Zahlungsinstitute”. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Landeskulturrentenbanken (agricultural loan and irrigation banks): In deutschen Teilstaaten (Preussen, Sachsen, Hessen) nach 1850 gegründete staatliche Institute mit der Aufgabe, durch zinsgünstige Darlehn an die Landwirtschaft diesen Wirtschaftszweig zu fördern. Die dazu notwendigen Mittel wurden hauptsächlich durch Schuldverschreibungen in Form der Landeskultur-Rentenscheine (auch Landeskultur-Rentenbriefe [Preussen] und Landeskultur-Obligationen [Hessen]; agricultural funded bonds, irrigation bonds) aufgebracht. Die jeweiligen Banken wurden 1945 aufgelöst. Siehe Bodenkreditinstitut, Ernte-Unterstützungskredit, Flüchtlingssiedlungskredit, Landeskulturkredit, Landschaft, Meliorationskredit, Seehandlung, Siedlungskredit.
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Landeszentralbank, LZB (Land Central Bank): Niederlassung der Deutschen Bundesbank mit Hauptstellen und Nebenstellen in den einzelnen Bundesländern. Sie sind Teil des Europäischen Systems der Zentralbanken. Siehe Bank Deutscher Länder. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Landmark Building-Darlehn (landmark building financing): In der Regel grösseres Engagement einer Bank oder mehrerer Banken, manchmal im Konsortium mit Bausparkassen und oft auch im Rahmen einer Public Private Partnership, um ein Bauwerk herausragender architektonischer Gestaltung und überdurchschnittlichen Flächenmasses zu errichten. Oft geht mit Landmark Building auch eine Aufwertung des Stadtteils einher, in dem der Gebäudekomplex (complex of buildings) gelegen ist. Siehe Co-Investment, Cornerstone Investor, Fundraising, Multisourcing, Performance Linked Note, Roadshow. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Lastschriftverfahren, elektronisches, ELV (electronic direct debiting scheme): Vom Handel entwickelte, auf eine Debitkarte gestützte Zahlungsmöglichkeit ohne PIN-Code mit Unterschrift zur Einzugs-Ermächtigung. Siehe Kartenleistungsbeleg, Geld, elektronisches. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 94 f. (Verbreitung; S. 95: Übersicht).
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Laufzeitfonds (fixed maturity funds): Besondere Art von Investmentfonds. Üblicherweise ist die Laufzeit (contract period) von Fonds unbegrenzt. Der Anleger erwirbt Fondsanteile, die er jederzeit wieder zurückgeben kann. Demgegenüber haben Laufzeitfonds eine vertraglich begrenzte Lebensdauer. Zum festgesetzten Termin wird der Fonds aufgelöst, und die Anleger erhalten ihr Kapital samt Verzinsung ausbezahlt. Die meisten Laufzeitfonds investieren in Rentenwerte, also in festverzinsliche Wertpapiere, deren Fälligkeit im Idealfall mit dem Ende des Fonds zusammenfällt. Siehe Kapitalanlagegesellschaft.
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

LBO-Finanzierung (LBO financing): Die Bereitstellung von Fremdkapital durch Banken im Zuge des Leveraged Buy-outs. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2007, S. 16 (Übersicht des Finanzierungsgefüges), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 26 ff (Rückgang der LBO-Aktivitäten und ihre Gründe; Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Leasinggeschäft (leasing business): Unternehmen, deren Haupttätigkeit im Abschluss von Verträgen über die Vermietung von Anlagen, Maschinen (einschliesslich Fahrzeugen) und (seltener) langlebigen Konsumgütern besteht. Der Vorteil des Leasings besteht (neben steuerlichen Zweckmässigkeiten; fiscal effects) vornehmlich in der Nutzung von Investitionsgütern ohne Eigenkapital bzw. ohne die Aufnahme von Darlehn, so dass ein gegebener Finanzierungsspielraum für das Unternehmen erhalten bleibt. Im Jahr 2009 waren um die 25 Prozent der Investitionen in Deutschland mit Leasing-Verträgen verbunden: Leasing hat eine hohe Bedeutung vor allem bei Kleinen und mittlere Unternehmen erlangt.

In Deutschland werden entsprechende Dienstleister nach § 1, Abs. 3, № 3 den Finanzunternehmen beigezählt; sie bedürfen einer Erlaubnis nach § 32 KWG und unterliegen der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Siehe Sale-and-Lease-Back. Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 158 (Fragen der Aufsicht; Geldwäsche-Vorbeugung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel “Aufsicht über Banken, Finanzdienstleistungs- und Zahlungsinstitute”. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Lebensversicherungspolice, überschriebene (life settlement contract): Wenn nicht anders definiert, versteht man darunter die Verpfändung (pledging) eines Lebensversicherungs-Vertrags an eine Bank als Sicherheit für ein Darlehn. Dabei wird im Einzelfall festgelegt, wer die laufenden Prämienzahlungen zu leisten hat. Siehe Lebensversicherungs-Policehandel, Policenbörse, Reverse-Repurchase-Geschäft. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Lebensversicherungs-Policehandel (trade in life-insurance policies): Geschäft, bei dem Verträge vom Versicherungsnehmer (policyholder) gekauft und an andere (in der Regel an Fonds) übertragen oder beliehen werden (Police-Darlehn); in diesem Fall bleiben die Ansprüche aus der Altersvorsorge wie auch der Versicherungsschutz in vollem Umfang erhalten. Entsprechende Dienstleister (service provider) unterliegen in Deutschland der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Vermittler solcher Verträge betreiben ein erlaubnispflichtiges Gewerbe. Siehe Lebensversicherungspolice, überschriebene, Policenbörse, Versicherungsvermittlung. Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 229 (undurchsichtige Ausgestaltung entsprechender Verträge) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel “Querschnittsaufgaben”. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Leerverkauf auch Blankoverkauf (short sale short selling): Verkauf von Wertpapieren oder Waren (auch Edelmetallen) per Termin, die sich noch nicht im Besitz des Verkäufers befinden. Bei ungedeckten (nackten) Leerverkäufen (uncovered sales, naked sales) leiht er sich der Verkäufer diese noch nicht einmal zu dem entsprechenden Verkaufstermin. Entsprechende Geschäfte haben rein spekulativen Charakter. Der Verkäufer hofft, dass zwischen dem Zeitpunkt des Vertragsabschlusses und dem vereinbarten Liefertermin der Kurs des betreffenden Wertpapiers oder die Preise der bezüglichen Ware fallen. Tritt eine solche Erwartung ein, dann könnte er sich billiger eindecken und einen Gewinn erzielen.

Solche Geschäfte stehen in Verdacht, den Abwärtsdruck vor allem bei Aktien zu verschärfen. Jedoch sind grundsätzlich nicht die Leerverkäufe für den Kursverfall eines Papiers (beispielsweise für Staatsanleihen Griechenlands im Frühjahr 2010) verantwortlich. Vielmehr wird dies bewirkt durch entsprechende Erwartungen der Marktteilnehmer, und diese Erwartungen haben ihren Grund in Misswirtschaft der entsprechenden Firma bzw. des jeweiligen Staates. Überdies haben Leerverkäufe auch die Wirkung, Preisübertreibungen nach oben zu brechen, so für eine Beruhigung des Märkte zu sorgen und spekulative Blasen zu hemmen. Andererseits können Leerverkäufe jedoch auch Übertreibungen nach oben dann hervorrufen oder verstärken, wenn zum Fälligkeitstermin eine zu geringe Verkaufsbereitschaft (disposition to sell) vorhanden ist.

Am 27. Juli 2010 trat daher in Deutschland das Gesetz zur Vorbeugung gegen missbräuchliche Wertpapier- und Derivategeschäfte in Kraft. Grundsätzlich sind damit ungedeckte (nackte) Leerverkäufe in Aktien und gewissen Schuldtiteln sowie bestimmte ungedeckte Kreditderivate nicht mehr zulässig. Ausnahmen bestehen jedoch für Wertpapier-Dienstleistungsunternehmen, die als Market Maker, Skontroführer, Designated Sponsor (ein Börsenmakler, der im elektronischen Handelssystem für Wertpapiere an der Deutschen Börse AG in Frankfurt am Main [Xetra] tätig ist und dort die für den fortlaufenden Handel notwendige Verfügbarkeit der Aktien im Auftrag eines Emittenten besorgt) oder in vergleichbarer Tätigkeit solche Geschäfte tätigen.

In diesem Fall besteht für Wertpapier-Dienstleistungsunternehmen jedoch die Pflicht, diese Tätigkeit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unter Angabe aller betroffenen Finanzinstrumente anzuzeigen. Siehe Agiotage, Barmarge, Corner, Differenzgeschäft, Gnadengeld, Position, ungedeckte, Renten-Arbitrage, Short-Selling, Spekulation, Schlangenhandel, Stockjobber, Tulpencrash. Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 40 f. (Transparenzanforderungen bei Leerverkäufen; Einrichtung einer eigenen Taskforce im Rahmen des CESR), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 44 f. (Entwurf zur aufsichtlichen Kontrolle), S. 173 f. (Gefahren durch Leerverkäufe).

Leerverkaufs-Verbot (prohibition of short sales [uncovered sales]): In Deutschland kann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bei drohender erheblicher Marktstörung Leerverkäufe auf dem Wertpapiermarkt untersagen. Sie tat dies erstmals für die Aktien von elf Banken im Zuge der Subprime-Krise im September 2008, als der Umfang entsprechender Geschäfte die Gefahr weiterer Marktstörungen heraufbeschwor.

Zu etwa gleicher Zeit verlangte die Börsenaufsichtsbehörde der USA, dass Hedge-Fonds täglich ihre Leerverkäufe offenlegen müssen. Im Zuge der Griechenland-Krise erliess die BaFin abermals ein Leerverkaufsverbot für Aktien von zehn deutschen Instituten, Staatsanleihen aus dem Euroraum und Credit Default Swaps. – Siehe Leerverkauf. Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 147 (Verbot durch die BaFin; Begründung; Erläuterungen), Jahresbericht 2009 der Bafin, S. 173 f. (neue Rechtslage) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel “Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft”.

Lehman-Pleite (Lehman bankruptcy): Mitte September 2008 wurde die systemische Bank Lehman Brothers mit Hauptsitz in Neuyork zahlungsunfähig. Die US-Regierung weigerte sich, dem Institut zur Hilfe zu kommen. Der Grund für die verweigerte Staatshilfe dürfte wohl besonders auch darin gelegen haben, dass Lehman Brothers durch die Jahre immer wieder wegen Verstössen gegen Börsen- und Bilanzregeln zu teils erheblichen Geldstrafen verurteilt und abgemahnt wurde. Gegen keine andere Bank in den USA liefen ähnlich viele Verfahren der Aufsichtsbehörde; kein anderes Unternehmen hatte eine so dicke Akte mit derartig schwerwiegenden Verfehlungen wie Lehman Brothers. Böse Zungen unterstellten dem damaligen US-Finanzminister Henry Paulson, dem früheren Chef von Goldman Sachs, er habe seiner alten Firma eine Gefälligkeit erweisen wollen und deshalb einen führenden Konkurrenten untergehen lassen.

Den Zusammenbruch von Lehman Brothers sieht man als den Übergang der Subprime-Krise in eine weltweite Finanzkrise an, weil das Institut international auf allen Finanzmärkten verwurzelt war und der Ruin der Bank eine Schockwelle auslöste. Lehman hatte zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs im Herbst 2008 in Frankfurt am Main eine Filiale mit rund 150 Mitarbeitern und (im Jahr 2007) eine Bilanzsumme von 16,2 Milliarden EUR, das entsprach in etwa jener der Frankfurter Sparkasse. Aufsichtsrechtlich traten bei dem Zusammenbruch einige folgenreiche Schwächen zutage. Obgleich Lehman Brothers in London als eigenständige Rechtseinheit firmierte und direkt von der FSA beaufsichtigt wurde, waren der englischen Aufsichtsbehörde die Hände gebunden, als die Londoner Niederlassung von Lehman Brothers Milliardenbeträge an die Hauptverwaltung in Neuyork überwies.

Auch war die FSA ohnmächtig gegenüber der in den USA getroffenen Entscheidung, einen Zusammenbruch von Lehman Brothers hinzunehmen, wiewohl dieser Beschluss schwerwiegende Folgen für den Finanzplatz London und die Stabilität des britischen Finanzsystems hatte. Siehe Aufsicht, weltweite, Bear Stearns-Pleite, Crash, Einzelfallentscheidung, Gewährträgerhaftung, Gibrat-Regel, Gigabank, Hypo Real Estate-Rettung, Megamanie, Moratorium, Rush to exit, Schockwelle, Single Master Liquidity Conduit, Too big to fail-Grundsatz, Subsidiaritätsprinzip, Verbraucherbeschwerden, Vertrauen. Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 41 (Informationsstelle des CESR zu der Lehman-Pleite), S 120 (Übersicht der Schwierigkeiten bis zur Abwicklung), S. 141 (Kundenbeschwerden in Bezug auf Lehman-Zertifikate), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 163 f. (Sonderprüfungen der BaFin in Bezug auf Lehman-Zertifikate). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.


Leistungsbilanz-Defizit (deficit on current account): Über mehrere Jahre sich hinziehende Defizite in der Leistungsbilanz deuten im Regelfall (Ausnahmen sind beispielsweise Kriege oder Naturkatastrophen) auf einen unwirtschaftlichen (inefficient) Einsatz der Produktionsfaktoren hin. Ist die gesamtwirtschaftliche Ersparnis in einer Periode kleiner als die Investition, so gibt der negative Saldo der Leistungsbilanz die Ersparnislücke an. Diese muss im Ausland über einen Abbau dort befindlicher Guthaben oder eine Verschuldung gedeckt werden. Der weltweit verflochtene Finanzmarkt erlaubt es Volkswirtschaften mit hoher Wachstumskraft, sich zur Finanzierung des Wachstums im Ausland zu verschulden, also mehr Investitionen zu tätigen als durch die eigene Sparleistung möglich ist.

Die dadurch bewirkte Erweiterung und Verbesserung des Kapitalstocks schafft (ökonomisch sinnvoller Einsatz des aufgenommenen Kapitals vorausgesetzt) in den Folgeperioden eine Zunahme des Wachstums. Die Verzinsung und Abzahlung der im Ausland aufgenommenen Schulden kann damit ohne Einschränkung des Konsums geleistet werden. Siehe Anpassung, symmetrische, Wachstumsunterschiede, währungsrauminterne. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2010, S. 17 ff. (Grundsätzliches zu Leistungsbilanz-Defiziten; Übersichten; Literaturhinweise), S. 63 f. (Wirkung von Leistungsbilanz-Defiziten in der Finanzkrise). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Leitkurs ([angel] central rate; central parity): Allgemein der Wechselkurs einer Währung innert eines Wechselkurssystems, der in Bezug auf die Interventionswährung möglichst stabil gehalten werden soll. Im besonderen der Wechselkurs einer am Wechselkursmechanismus II teilnehmenden Währung gegenüber dem EUR, um den herum die Bandbreiten festgelegt sind. Siehe Wechselkurs-Anpassung, Wechselkursmechanismus II. Vgl. die (weltweiten) Leitkurse im vierteljährlich erscheinenden Heft “Devisenkursstatistik” der Deutschen Bundesbank. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Leitwährung (key currency): Eine Währung, an der sich andere Länder bei mit ihrer eigenen Währung ausrichten. Dies geschieht vor allem dadurch, dass man den Wechselkurs der heimischen Währung gegenüber dieser Leitwährung festlegt, die heimische Zentralbank sich in ihren geld- und zinspolitischen Entscheidungen mehr oder minder direkt an die entsprechenden Entscheidungen des Leitwährungslandes anschliesst bzw. ihre Politik auf diese abstimmt und auch die eigenen Währungsreserven gutteilig in diesem Geld gehalten werden. Um als Leitwährung fungieren zu können, muss das entsprechende Geld voll konvertierbar, auf den Märkten von jederart Beschränkung frei sein, eine entsprechende Geldheimat haben und es sollte hinter dieser Währung auch ein beträchtliches Sozialprodukt stehen. Leitwährungen sind derzeit praktisch nur der USD und der EUR. Siehe Geldheimat, Fluchtgeld, Geld, heisses, Hafen, sicherer, Leitkurs. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Leitzins (prime rate, key interest rate, central rate): Zinssatz bzw. Zinssätze der Zentralbank, welche als Richtgrösse für Finanztransaktionen im allgemeinen Geltung besitzen. Innert des Eurosystems sind dies der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte, der Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungs-Fazilität sowie der Zinssatz für die Einlage-Fazilität. Vor der Umstellung vom Mengen- auf den Zinstender bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften war der Mengentendersatz der wichtigste Leitzins. Diese Funktion kommt jetzt dem Mindestbietungssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte der EZB zu.

Siehe Bankrate, Basiszins, Prime Rate, Tarnkappen-Politik, Zins(satz) Zinskorridor, Zinssatz, niedrig gehaltener, Zinstransmission. Vgl. die jeweiligen Daten im Anhang “Statistik des Euro-Währungsgebiets”, Anhang “Monetäre Statistik” des jeweiligen Monatsbericht der EZB; dort auch die nachgestellten “Erläuterungen” beachten; Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 49 ff. (Zusammenhang zwischen Leitzins der EZB und die Kurzfristzinsen auf dem Markt während der Finanzkrise; Übersichten, Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 103 ff. (Wirkung einer Leitzinsänderung theoretisch und empirisch; Übersichten), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 53 ff. (Weitergabe von Leitzinsänderungen theoretisch und empirisch; Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Leverage (so auch im Deutschen gesagt; hier wird dem Wort teils männliches, teils [wie bei der Deutschen Bundesbank] sächliches Geschlecht zugeordnet; manchmal übersetzt ins Deutsche mit Hebel[effekt]): Bei einem Unternehmen die Abhängigkeit der Rentabilität des Eigenkapitals vom Anteil der Fremdfinanzierung. Ein positiver Leverage-Effekt tritt ein, wenn die Rentabilität des Kapitals gesamthaft höher ist als der Zins für das Fremdkapital. Mit Hilfe des Leverage erhöht sich im Normalfall die Eigenkapitalrentabilität bei steigender Verschuldung, was eine Reihe von Risiken in sich birgt. Siehe Deleveraging, Gewinn, Eigenkapital, Einlagen, Fremdmittel, Hebel(wirkung), Leverage-Ratio, Kapital, Prudential Filter. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

LIBOR (so auch im Deutschen; Abkürzung für London Interbank Offered Rate): Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld ausleihen, und zwar für unterschiedliche Fristen bis zu einem Jahr. Derzeit wird der LIBOR täglich für fünfzehn Fristen (time limits) und für zehn Währungen berechnet. Nach dem LIBOR richten sich weltweit zahlreiche variabel verzinsliche (variable interest bearing) Geschäfte der verschiedensten Art. Im Herbst 2008 war der LIBOR für die Verzinsung von Finanzprodukten im Wert von 350 Mrd USD in allen Teilen der Welt massgebend. Die Höhe der an den LIBOR gebundenen Darlehn wurde zum gleichen Zeitpunkt sogar mit 7 000 Mrd USD angegeben. Der LIBOR ist damit einer der wichtigsten Eckwerte für die Finanzwelt. Siehe Basispunkt, EURIBOR, Reverse Floater, TED-Spread. Vgl. den Verlauf des Wertes des LIBOR im Anhang “Statistik des Euro-Währungsgebiets”, Anhang “Finanzmärkte” im jeweiligen Monatsbericht der EZB. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

LIBOR-Spread (so auch im Deutschen gesagt): Swap-Geschäft, bei dem feste Zahlungsverpflichtungen in variable Zahlungsströme auf LIBOR-Basis (auch andere Bezugsgrössen wie der EURIBOR sind üblich) getauscht werden. Es handelt sich also um einen Umstieg von einer festen auf eine variable Refinanzierung. Siehe Option, Sleepy Warrant, Swaption, Zinsswap. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2006, S. 41 f. (ASW-Spreads; Übersicht). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Liquidation (liquidation; doctor’s bill): Die Stillegung der Geschäfte einer Firma und Auflösung der Vermögenswerte des Unternehmens, siehe § 145 ff. HGB. Der Ausgleich einer offenen Position durch Glattstellung. Die Rechnung eines Arztes. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Liquidität (liquidity, moneyness): Im engeren Sinne Zentralbankgeld, bei der EZB auch Basisgeld genannt. Im weiteren Sinne Zentralbankgeld plus Devisen plus sofort einlösliche Geldmarktpapiere, die letzten beiden Posten werden dann potentielle Liquidität genannt -potential liquidity) genannt. In Bezug auf Finanzmärkte die Möglichkeit, Wertpapiere oder andere Werte (financial assets) leicht, rasch und zu möglichst geringen Spesen zu kaufen (verkaufen) oder in Bargeld bzw. in einen anderen Vermögensgegenstand umzuwandeln. In einer anderen Bedeutung versteht man unter Liquidität (solvency) die Fähigkeit und Bereitschaft termingerecht und betragsgenau (the ability of a company to meet its payment obligations on time.). Diese wird unter normalen Bedingungen als bankaufsichtlich gegeben angesehen, wenn die – vom jeweiligen Meldestichtag an gerechnet in einem Monat zur Verfügung stehenden Zahlungsmittel die während dieses Zeitraums zu erwarteten Zahlungsabflüsse mindestens decken.

Beurteilt wird dies anhand einer monatlich zu meldenden Liquiditätskennzahl, die als Quotient der verfügbaren Zahlungsmittel zu den abrufbaren Zahlungsverpflichtungen im jeweils ersten Laufzeitband ermittelt wird, und die mindestens 1,0 betragen muss. In der Betriebswirtschaftlehre auch Mass für die Geschwindigkeit, mit welcher sich die Aktiva im Vergleich zu den Passiva in der Bilanz umschlagen (the speed at which assets turn over compared with liabilities). Von Wertpapier-Analysten aufgestellte Berechnungsansätze, wie vor allem die Quick-Ratio. Aufsichtsrechtlich vorgeschriebene Rückstellungen (provisions) einer Bank oder Versicherung, im Zuge von Basel-II im einzelnen festgelegt. Siehe Acid Ratio, Anleihe-Spread, Barmittel, Bankgrösse, Börsenliquidität, CAMELS, Endogenitäts-Prinzip, Flüssigmachung, Geldmarkt-Segmente, Finanzkraft, Geldschöpfung, Liquiditätspuffer, Liquiditätsposition, Liquiditätsprämien-Theorie, Liquiditätsquote, M1, Monetäres Finanzinstitut, Quick-Ratio, Risikofähigkeit, Solvabilität, Solvency-II, Solvenzaufsicht, Zentralbankgeld, Zwischenparken.

Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 16 f. (höhere Liquiditäts-Präferenz führt zu einer höheren Bargeldquote), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2009, S. 28 f. (Geldmarktsteuerung und Liquiditätsbedarf), Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 24 ff. (Unterschiedliche Liquiditätsbegriffe ([“Konzepte”, wie dort steht: Deutsch müsste man können!), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 26 ff. (Geldmarktsteuerung und Liquiditätsbedarf). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Liquidität des Bankensystems (liquidity of the financial sector): Bei der EZB genau definierte Grösse, die sich aus den geldpolitischen Geschäften des Eurosystems und den autonomen Liquiditätsfaktoren zusammensetzt. Siehe Benchmark-Zuteilung, Geldmarkt-Operationen, Geldschöpfungssektor, Liquiditätsbedarf. Vgl. zur Höhe der einzelnen Posten den Anhang “Statistik des Euro-Währungsgebiets”, Rubrik “Monetäre Statistik” im jeweiligen Monatsbericht der EZB sowie auch die bezüglichen “Erläuterungen” am Ende des statistischen Teils, Monatsbericht der EZB vom Februar 2001, S. 17 (wegen der einzelnen Komponenten), Monatsbericht der EZB vom Mai 2002, S. 45 ff. (zu grundsätzlichen Fragen der Liquiditätssteuerung), Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 33 ff. (liquiditätsbestimmende Faktoren; Übersicht), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 37 (Übersicht der Liquiditätssteuerung im Eurogebiet 2009-2010). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.


Liquiditätsbedarf (liquidity needs): Bei Banken die Summe aus autonomen Faktoren, Mindestreserve-Soll und Überschussreserven (also Guthaben der Institute bei der Zentralbank, die über das Mindestreserve-Soll hinausgehen. Siehe Liquidität des Bankensystems. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 37 (Liquiditätsbedarf und Liquiditätsversorgung während der Finanzkrise im Herbst 2008; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2009, S. 28 f. (Geldmarktsteuerung und Liquiditätsbedarf; Übersicht), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 41 (liquiditätsbestimmende Faktoren), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2010, S. 26 ff. (Geldmarktsteuerung und Liquiditätsbedarf). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Liquiditätsquote (liquidity ratio): Nach verschiedenen Formeln berechnete Höhe der Liquidität im Sinne und Bereitschaft termingerecht und betragsgenau (ratios measure the liquidity of a company). Freie Liquiditätsreserven in Bezug zu den Einlagen einer Bank. Andere Bezeichnung für die von der EZB errechnete Liquiditätsposition. Siehe Bankgrösse, Liquiditätspuffer, Quick-Ratio. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Liquiditätsreserve (liquidity reserve): Bei einem Unternehmen geldnahe Aktiva. Bei einer Bank nicht in Anspruch genommene Refinanzierungsmöglichkeiten bei der Zentralbank und jederzeit an die Zentralbank veräusserbare Aktiva. Siehe Flüssigmachung, Liquiditätsformen, Liquiditätspuffer, Liquiditätsmanagement, Liquiditätspolitik, Notreserve. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Long (so auch im Deutschen gesagt): Allgemein die Stellung eines Bestellers, Erwerbers, eine Kaufposition. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Long-Call (long call, call purchase, call buying, long call position): Position, die sich aus dem Kauf eines Call ergibt und dem Käufer das Recht einräumt, den Basiswert zum festgelegten Preis zu kaufen. Siehe Call, Erfüllung, Konversion, inverse, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Short Call, Stillhalter, gedeckter. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Long-Hedge (long hedge, buying hedge, purchasing hedge): Eingehen einer Long-Position auf dem Terminmarkt zur Absicherung einer Short Position auf dem Kassamarkt. Siehe Konversion, Option, Short Covering, Short Position, Success Rates. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Long-Lag-Theorie (long-lag hypothesis): Die in der Nationalökonomik erörterte Meinung, dass die Politik der Zentralbank eine sehr lange Wirkungsverzögerung habe (bis zu zwei Jahren), daher am Ende oft das Gegenteil von dem bewirke, was sie erreichen möchte und somit wirtschaftliche Wechsellagen unter Umständen verstärke. Empirisch scheint sich für den Euroraum eher eine Short-Lag-Annahme zu bestätigen. Danach beträgt die Wirkungsverzögerung im Normalfall maximal sechs Monate; und es dauert im Regelfall vier bis sechs Quartale, bis eine Änderung der Leitzinsen ihre maximale Wirkung auf das Bruttoinlandsprodukt entfaltet. Siehe Bremsweg, geldpolitischer, Geldpolitik, vorausschauende, Modelle, geldpolitische, Transmissionsmechanismus, monetärer. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Long-Position (long position): Kaufposition in börsenmässig gehandelten Werten (Waren, Finanzinstrumente), die noch nicht durch eine entgegengesetzte Position glattgestellt worden ist. Siehe Butterfly-Spread, Future, Glattstellung, Long-Hedge, Option, Short-Position. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Long-Put (long put, put purchase): Position, die sich aus dem Kauf eines Put ergibt. Sie räumt dem Käufer das Recht ein, den Basiswert (Finanzinstrument, Ware) zum festgelegten Preis am vertraglich vereinbarten Termin zu verkaufen. Siehe Option, Long-Hedge, Long-Position. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Long-Short-Arbitrage (so auch im Deutschen gesagt): Allgemein das planvolle Ausnutzen von Marktunvollkommenheiten bei der Preisbildung von Vermögenswerten, insbesondere von Aktien. Bei Hedge-Fonds eine Strategie, bei der nach Ansicht der Manager unterbewertete Aktien gekauft (Long Strategie) und (im Gegensatz zum üblichen Aktienfonds) gleichzeitig überbewertete Aktien verkauft werden (Short Strategie). Man spricht auch von Pair Trades, sofern eine vermeintlich unterbewertete Position gekauft und eine als überbewertet erscheinende Position derselben Gattung im gleichen Umfang leerverkauft wird. Wenn ein Hedge-Fonds-Manager ein Positionsübergewicht auf der Kaufseite hält, dann spricht man von einem Long Bias; entsprechend heisst ein Übergewicht auf der Verkaufseite Short Bias. Siehe Hedge-Fonds-Strategien. den ist. Siehe Butterfly-Spread, Future, Glattstellung, Long-Hedge, Option, Short-Position. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Long-Put (long put, put purchase): Position, die sich aus dem Kauf eines Put ergibt. Sie räumt dem Käufer das Recht ein, den Basiswert (Finanzinstrument, Ware) zum festgelegten Preis am vertraglich vereinbarten Termin zu verkaufen. Siehe Option, Long-Hedge, Long-Position. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Long-Short-Arbitrage (so auch im Deutschen gesagt): Allgemein das planvolle Ausnutzen von Marktunvollkommenheiten bei der Preisbildung von Vermögenswerten, insbesondere von Aktien. Bei Hedge-Fonds eine Strategie, bei der nach Ansicht der Manager unterbewertete Aktien gekauft (Long Strategie) und (im Gegensatz zum üblichen Aktienfonds) gleichzeitig überbewertete Aktien verkauft werden (Short Strategie). Man spricht auch von Pair Trades, sofern eine vermeintlich unterbewertete Position gekauft und eine als überbewertet erscheinende Position derselben Gattung im gleichen Umfang leerverkauft wird. Wenn ein Hedge-Fonds-Manager ein Positionsübergewicht auf der Kaufseite hält, dann spricht man von einem Long Bias; entsprechend heisst ein Übergewicht auf der Verkaufseite Short Bias. Siehe Hedge-Fonds-Strategien. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.