Finanzlexikon K

Kapitaleinkommen und Kapitaleinkünfte (income upon investments): Allgemein jeder Gewinn aus einer Investition, im Regelfall in Form von Zins oder Dividende. Kapitaleinkommen unterliegt regelmässig einer besonderen Abgabe, nämlich der Kapitalertragssteuer (withholding tax, capital yield tax). Siehe Erfolg, Ertrag, Investition, Kapital, Kapitalertragssteuer-Absetzbetrag, Profitrate, Rendite, Vermögen, Vermögenswert. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kapitalertragssteuer-Absetzbetrag (dividend tax credit). Die Gewinne einer Aktiengesellschaft werden zunächst an der Quelle besteuert (profits and accordingly dividends are taxed by corporate income). Die einem Anleger ausbezahlte Dividende muss dieser in den meisten Staaten nochmals bei der Einkommenssteuer (personal income tax of the shareholder) versteuern. Um diese Doppelbesteuerung zu vermeiden (to avoid this double taxation), kann in vielen Ländern die ausbezahlte Dividende, meistens im Rahmen eines Freibetrags (tax-free allowance), als abzugsfähig von der Steuerschuld anerkannt werden. Siehe Kapitaleinkommen, Kapitalertragsteuer-Paradoxon, Zinsabschlagsteuer. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kapitalflucht (capital flight; flight from the currency): Investoren bevorzugen in grossem Stil (to a great extent) Anlagen im Ausland, weil sie für Investitionen im dortigen Währungsgebiet bessere (langfristige) Erwartungen hegen (generally in defiance of the political and/or economic conditions in their own country). Privathaushalte und Unternehmen wechseln heimisches Geld in ausländisches um, da sie kein Vertrauen mehr in den Geldwert haben. Siehe Altersquotient, Auslandsinvestitionen, demographiebedingte, Demographieverfestigung, Dollarisierung, Euroisierung, Fünfhunderteuro-Schein, Geldvertrauen, Kapitalbewegungen, internationale, Nebenwährung, Round Tripping, Überalterung, Vorschatten-Effekte. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 43 f. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kapitalgarantie (capital-back guarantee): Wenn nicht anders definiert bei Zertifikaten die vertragliche Festlegung, dass der Käufer des Zertifikats in jedem Falle den Kaufpreis für das Papier bei Fälligkeit zurückerhält. Freilich muss er schlimmstenfalls auf eine Verzinsung verzichten; er hat aber dafür die Chance, an günstigen Veränderungen des Basiswertes teilzuhaben. Siehe Kapitalgarantie. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kapitalmarkt (capital market): Oberbegriff für alle Märkte, auf denen langfristige Kredite und Beteiligungskapital gehandelt werden. Im engeren Sinne wird unter Kapitalmarkt nur der organisierte Handel in Wertpapieren verstanden (Börse). Der Wertpapiermarkt gliedert sich wiederum in den Rentenmarkt (Markt für Schuldverschreibungen) und den Aktienmarkt (Markt für Beteiligungen an Aktiengesellschaften). Zum Wertpapiermarkt zählen schliesslich auch die Zertifikate der Investmentfonds. Diese Anteilscheine stellen (sofern die Investmentfonds ihrerseits Wertpapiere kaufen) nämlich eine indirekte Form des Erwerbs von Schuldverschreibungen oder Aktien dar. Siehe Kapitalangebot, Kapitalbewegungen, internationale, Langfristig, Zinsallkokations-Funktion. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2007, S. 51 ff. (institutionelle Gegebenheiten auf dem Kapitalmarkt in Deutschland). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kapitalwert (capitalised value): Wenn nicht anders definiert, die durch Abzinsung (Diskontierung) auf einen Bezugszeitpunkt hin errechneten Nettoerträge (Quasirenten; quasi rents) aus einer Investition. Siehe Barwert, Ertragswert, Netto-Kapitalwert. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Karten-Echtheitsprüfung (mutual authentification): Prüfung im Chipumfeld einer Geldkarte. Dabei wird das Kryptogramm der ausgebenden Bank (bzw. dem Prozessor) zugeleitet, die es durch den Chip mit ihrer Zentraldatei (ihrem Autorisierungs-System) abgleicht. Siehe Ablehnung, Community Card, Computerzahlung, Chipkarte, EFTPOS, Geld, elektronisches, Guilloche, Karte, multifunktionale, Karteneinsatzdatei, Netzgeldgeschäft, Sparbuch, Ticketing, electronic. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Karteneinsatzdatei (activity file): Gespeicherte Transaktionsdaten für ein Kartenkonto innert eines Zeitraums. Bei „auftrags einer Karten ausgebenden Bank“ ausgeführten Leistungen (on-behalf services) erfolgt vor jeder Autorisierung eines Geschäftes ein Abgleich mit dieser Datei. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der seitens der jeweiligen Karten ausgebenden Bank vorgegebene Verfügungsrahmen (die Kreditlinie) eingehalten wird. Siehe Chipkarte, Computerzahlung, Firmenkreditkarte, Geld, elektronisches, Geldkarte, Karte, multifunktionale, Karten-Echtheitsprüfung, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Prozessor, Radio Frequency Identification. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kartenleistungsbeleg (sales slip, charge slip, sales draft, sales ticket): Der Inhaber einer Geldkarte bekommt als Nachweis seiner getätigten Transaktionen gewöhnlich vom Terminal einen Beleg in Papier. Falls der Kunde einen von Hand erstellten bzw. von einer Registrierkasse gedruckten Beleg erhält, so ist dieser regelmässig zwecks Anerkennung (Authentifizierung; authentification) des gebuchten Betrags von ihm zu unterschreiben. Siehe Lastschriftverfahren, elektronisches, Pay-Green-Initiative. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Konsumentenkredit, auch Konsumkredit (consumer credit): Im weiteren Sinne jederart Darlehn einer Bank an einen Privathaushalt. In Deutschland machten die Darlehn an Privathaushalte mit knapp 43 Prozent im Jahr 2009 den grössten Anteil am inländischen Kreditgeschäft (ohne Staats- und Interbankenkredite) aus. Davon entfielen gut ein Drittel auf den Wohnungsbau. Die Zinsbindung solcher Kredite ist überwiegend längerfristig. In der Schweiz ist diese Form der Kreditgewährung seit 2001 durch ein eigenes Gesetz geregelt. Im engerer Bedeutung ein Darlehn ausschliesslich zum Kauf lebensnotwendiger, nämlich zur Erhaltung von Leben und Bewahrung der Gesundheit unentbehrlicher Güter. In diesem Gedankeninhalt spielt der Konsumentenkredit in den alten Zinstheorien. eine Rolle, die eine Rechtfertigung des Zinsnehmens auch bei Notleidenden zu ergründen suchten.

Siehe Barkredit, Höchstlaufzeiten, Konsumtivkredit, Kreditzweck, Privatkredit, Mehrfachverbindung, Verschuldungsquote, private, Übersatz, Wucher, Zinsverbot. Vgl. den Ausweis der Konsumentenkredite, untergliedert auch nach ihrer Fristigkeit, im Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“ in der Rubrik „Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds“, Unterrubrik „Kredite der MFIs, Aufschlüsselung“; Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 21 (sprunghaft gestiegene Zahl der Verbraucherinsolvenzen als Folge ausgeweiteter Konsumentenkredite), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 75 ff. (ausführliche Darlegung und Untergliederung der Konsumentenkredite; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 18 ff. (Kreditvergabe an Privathaushalte während der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 19 ff. (Privatkredite im Konjunkturzyklus; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 53 (Kredite an Privathaushalte seit 2003 aufgeschlüsselt). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Konsumtivkredit (credit granted for consumption): Darlehn gewährt für Verbrauchszwecke. Siehe Konsumentenkredit, Kreditzweck, Produktivkredit. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 89 ff. (Abgrenzungsfragen). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kontenoffenlegung und Konten-Offenlegung (discovery of accounts): In Deutschland ist seit dem 1. April 2003 jedes Kreditinstitut gemäss § 24c KWG verpflichtet, eine auf dem neuesten Stand gehaltene Datei mit allen im Inland geführten Konten und Depots (enthaltend Namen, Geburtsdatum des Inhabers und allfälliger Verfügungsberechtigter) bereitzuhalten und der Aufsichtsbehörde auf Verlangen daraus entsprechende Auskünfte zu geben. Auch Behörden dürfen Kontendaten im Zuge eines Kontenabrufverfahrens abfragen; ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Juli 2007 bestätigte die Verfassungsmässigkeit (constitutionality) der Abrufe durch Behörden.

Informationen über Konten deutscher Staatsbürger im Ausland werden unter Umständen durch den deutschen Geheimdienst (Bundesnachrichtendienst; Federal Intelligence Service) beschafft, wie im Februar 2007 in Bezug auf das Fürstentum Lichtenstein offenkundig geworden. Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Bankauskunft, Bankgeheimnis, Bargeldkontrolle, Fluchtgeld, Geldwäsche, Hawala, Identitätsprüfungspflicht, Kontensperre, Konto, falsches, Kundendaten-Informationspflicht, Nominee, Strohmann, Vermögensstatus, Vertraulichkeit, Winkelmakler, Zahlungsverkehrsverordnung.


Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 71 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 81, S. 87 (zu § 24c KWG), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 186 (Anzahl und Auftraggeber von Kontenabrufen), S. 187 (seit 1. April 2005 auch Offenlegung für Zwecke der Finanzbehörden), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 216 (Ermittlungsverfahren), Jahresbericht 2009 der Bafin, S. 237 f. (Erfolge des Kontenabrufverfahrens auch bei der Verbrechensbekämpfung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Querschnittsaufgaben“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kontenscreening (account screening): Wenn nicht anders definiert das Herausfinden von Zahlungen, die auf verbotswidrige Geschäfte hindeuten. Siehe Geldwäsche, Monitoring. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kontensperre auch Kontensperrung (account blocking): Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kann gemäss § 6a KWG bei Verdacht der Terrorismusfinanzierung oder im Falle unerlaubt betriebener Finanzdienstleistungsgeschäfte die Blockierung entsprechender Konten verfügen. Siehe Kontenoffenlegung. Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 208 f. (Konten eines Studenten syrischer Herkunft mit deutschem Pass werden eingefroren; die Klage des Mannes gegen die Sperrung wurde vom zuständigen Verwaltungsgericht abgewiesen [diese Tatsache noch nicht im Bericht der Bafin]) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Querschnittsaufgaben“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kontensuche (account search): Bei der Ermittlung nach unbekannten Konten von Erblassern oder betreuten Personen bieten Verbände der Kreditwirtschaft teilweise Hilfe. Eine solche kann aber nicht von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gefordert werden, die im Zuge der Kontenoffenlegung alle Konteninhaber ausfindig machen könnte. Siehe Kontenoffenlegung. Vgl. Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 195. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Konto, anonymes (anonymous account): Abrechnungsverkehr mit einer Bank, ohne dass dieser die Identität des Geschäftspartners bekannt ist, in der Regel in Form eines Nummernkontos geführt. In Deutschland sind solche Konten bis anhin nicht erlaubt. Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Geldwäsche, Identitätsprüfungspflicht, Konto-Offenlegung, Kontosperre, Kundendaten-Informationspflicht, Nominee, Tafelgeschäft. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Konto, falsches (wrong account): Ein durch die Vorlage falscher oder gefälschter Unterlagen bei einer Bank eröffnetes Konto. Oft werden solche Konten auf den Namen tatsächlich lebender Personen ohne deren Wissen eingerichtet. Sie dienen vor allem der Geldwäsche oder anderen strafbaren Handlungen. Erfahrungsgemäss werden entsprechende Konten baldig (nach Abschluss der unzulässigen Geschäfte) wieder gelöscht. Im Zuge des europaweiten Datenabgleichs (data collation) der Steuerbehörden und einer öffentlichen Jagd auf Steuersünder (tax evaders) stieg auch in Deutschland die Zahl der falschen Konten an. Sie wurde zu Jahresbeginn 2010 mit fünf Prozent angegeben. In Internet-Foren werden dazu Ratschläge gegeben und Erfahrungen ausgetauscht. Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Bankauskunft, Financial Action Task Force on Money Laundering, Geld, schmutziges, Kontosperre, Nominee, Zahlungsverkehrsverordnung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kontosperre (account blocking): Seit November 2003 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gemäss § 6a KWG das Recht, Banken (Zahlungs)Aufträge betreffend bestimmter bei ihr unterhaltenden Konten zu untersagen. Diese Befugnis wurde im Zuge der Terrorismus-Finanzierung eingeführt. Siehe Address Spoofing, Financial Action Task Force on Money Laundering, Geldwäsche, Kontenoffenlegung, Konto, falsches, Kundendaten-Informationspflicht. Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 72, Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 216 (Anfragen von Strafverfolgungsbehörden) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Querschnittsaufgaben“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kreditinstitut (financial institution, credit institution): In der Umgangssprache sehr weit gefasster Begriff, in etwa den Ausdrücken Bank (und teilweise auch Finanzdienstleister) entsprechend. Innert des ESZB gesamthaft bezieht sich der Begriff immer auf ein Institut gemäss der Definition in Artikel 1 der Ersten Bankrechtskoordinierungs-Richtlinie der EU (2000/28/EC vom 18. September 2000), nämlich „ein Unternehmen, dessen Tätigkeit darin besteht, Einlagen oder andere rückzahlbare Gelder des Publikums (einschliesslich der Erlöse aus dem Verkauf von Bankschuldverschreibungen an das Publikum) entgegenzunehmen und Kredite für eigene Rechnung zu gewähren“ (an undertaking whose business is to receive deposits or other repayable funds from the public and to grant credits for its own account), oder elektronisches Geld ausgibt (which issues means of payment in the form of electronic money).

In Deutschland sind nach der Definition des § 1 KWG diejenigen Unternehmen Kreditinstitute, die bestimmte Bankgeschäfte gewerbsmässig betreiben (aufgezählt sind vor allem Einlagen-, Kredit-, Diskont-, Effekten-, Depot-, Investment-, Garantie-, Emissions-, Geldkarten-, Netzgeld- (Computergeld) und Giro-Geschäfte sowie der Ankauf von Forderungen vor Fälligkeit), sofern der Umfang dieser Aktivitäten einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Siehe Bank, Finanzdienstleister, Finanzdienstleistungsinstitut, Finanzinstitut, monetäres, Institut, Kreditbanken. Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 1999, S. 47. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kreditkarte (credit card): Karte, bei der eine vom Karteninhaber genutzte Leistung erst nach dem Bezug verrechnet wird, in der Regel mit einer Monats-Abrechnung (pay-later-Prinzip). Daneben werden auch Karten ausgegeben, die mit einer eigenständigen Kreditlinie ausgestattet sind (delayed debit card). Im Vergleich zur Debitkarte ist die Gebühren-Belastung bei der Kreditkarte höher. Auch ist in der Regel der Zins bei Inanspruchnahme eines Kredits über die Karte höher als bei einem Dispositionskredit auf einem Girokonto. Emittenten solcher Karten gelten in Deutschland als Finanzunternehmen.

Sie bedürfen einer Erlaubnis und unterliegen der Aufsicht; siehe § 1, Abs. 3, ? 4 KWG. Siehe Auszahlung, Card Verification Value, Chipkarte, Geld, elektronisches, Firmenkreditkarte, Geldkarte, Interchange Fee, Karte, multifunktionale, Kreditkartenfiasko, Pay-Green-Initiative, Pay per Touch, Prozessor, Überziehung, Verbraucherbeschwerden. Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 84 hinsichtlich der Erlaubnis, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 93 ff. (ausführliche Darstellung der Bezahlverfahren; viele Übersichten), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 212 f. (Kundenbeschwerden wegen Sperrung der Karten von Kontoinhabern der Direktbanken bei den Geldausgabeautomaten der Sparkassen und Volksbanken). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kreditkartenfiasko (credit card fiasco, credit card collapse): In den USA besass im Herbst 2008 jeder Bürger durchschnittlich vier Kreditkarten. Auch an einkommensschwache Kunden (low-income customers) mit geringer Bonität wurden grosszügig Karten vergeben. Im Verfolg der sich zur Finanzkrise ausgeweiteten Subprime-Krise kam es dann massenweise zu sehr hohen Kreditkartenschulden (credit card debts). Die auch im Kreditkartengeschäft (credit car business) tätige grösste US-Sparkasse Washington Mutual (WaMu) in Seattle (Bundesstaat Washington) musste bei Karten eine Ausfallrate von 45 Prozent buchen. Sie stand im September 2008 nicht zuletzt auch deswegen vor dem Ruin, und wurde zu einem Schnäppchenpreis (bargain price) von der Bank J.P. Morgan Chase (das zweitgrösste US-Geldinstitut nach der Bank of America) übernommen.


Aber auch die Bank of America musste bis Herbst 2008 knapp 3 Mrd USD an Wertberichtungen wegen geplatzter Kreditkartenschulden vornehmen. Die Kreditkartenschulden in den USA lagen nach der Statistik der US-Zentralbank Ende Oktober 2008 bei 951 Mrd USD. Verlässliche Schätzungen gingen davon aus, dass davon mehr als 400 Mrd USD auf Wertpapierkäufe mittels Kreditkarte entfielen. Soweit die Ausgeber der Karten das Ausfallrisiko über Verbriefung weitergegeben hatten (nach verlässlichen Schätzungen immerhin 47 Prozent der Kreditkartenschulden), so führten diese toxischen Papiere zu Verlusten bei den Käufern der Verbriefungspapiere in der gesamten Welt, was die Finanzkrise weiter verschärfte.

Bemerkenswert ist, dass sich die meisten Portfolios der verbrieften Forderungen nicht aus den Kreditkartenforderungen der Schuldner gesamthaft zusammensetzten. Vielmehr wurden (fast) nur Forderungen gegenüber bonitätsschwachen Schuldnern (bad debts, irrecoverable debts) verbrieft. Die einbringlichen Forderungen (lucrative debts) behielten die Ausgeber bzw. Banken in ihrer Bilanz. Siehe Karte, Kreditvergabe-Grundregel, Pay-Green-Initiative. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kreditnehmer (borrower, credit receiver): Wer bei einer Bank einen Kredit (mit einem anderen Wort: ein Darlehn) aufnimmt. In § 19, Abs. 2 KWG inhaltlich und umfänglich (durch Aufzählung) genauer bestimmt. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kreditsperre (ban on credit, credit blocking): Eine Bank stoppt darlehnsvertraglich vereinbarte Zahlungen an einen Kunden vorübergehend oder völlig, weil (in der Regel) Tatsachen bekannt wurden, welche die Kreditwürdigkeit (creditworthiness) des Darlehnsnehmers infrage stellen. Im Zuge der Schuldenbremse die (zeitweilige) Untersagung der Aufnahme neuer (auch parlamentarisch schon bewilligter) Darlehn durch den Staat. Siehe Downgrade-Trigger-Klausel, Drittverzugs-Klausel, Erstraten-Verzugsklausel, Event of Default, Kredit-Punktbewertungsverfahren, Kreditqualität, Übermut, Verwirkungsklausel. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kreditzinsen (interest on borrowings): Die Höhe des Zinses in Prozent gerechnet für ein Darlehn oder die seitens der Bank vom Konto abgebuchte Summe für in Anspruch genommenen Kredit. Siehe Aktivzinsen, Einlagenzinsen. Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 105 ff. (Abhängigkeit der Kreditzinsen vom Leitzins der Zentralbank theoretisch und empirisch; Übersichten; Literaturverweise). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Kundenkarte, zentrale (community storecard): Von mehreren Ausgebern sich ergänzender Konsumbereiche herausgegebene Karte, die in der Regel auch verschiedene Funktionen (zum Beispiel Rabatte, Kreditgewährung) bündelt. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, die Leistungen mehrerer Anbieter (Bank, Kaufhaus, Tankstelle) in eine bestehende Kundenverbindung mit einzubringen (das Cross-Selling-Potential auszunützen). Siehe Cobranding-Karte, Concession Shop, Cross-Selling-Potential, Karte, Kundenkarte, Pay-Green-Initiative. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.