Gehe zu…
RSS Feed

13. Dezember 2017

Finanzlexikon I

Identitätsprüfungspflicht (identification control instruction): In Deutschland aufsichts-rechtliche Pflicht der Wertpapier-Dienstleistungs-Unternehmen, vor Durchführung eines Auftrags die Identität des Auftraggebers zu überprüfen und aufzuzeichnen. Auch Banken müssen bei Kontoeröffnung nach § 25a KWG die Identität des Antragstellers prüfen unddokumentieren. Dies wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht durch entsprechende Richtlinien in den Einzelheiten vorgeschrieben und überwacht. Siehe Address Spoofing, Authentifizierungsgebot, Bankauskunft, Geldwäsche, Hawala, Konto, anonymes, Konto-Offenlegung, Kontosperre, Kundendaten-Informationspflicht, Nominee, Zahlungsverkehrsverordnung. Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 80 f. („Know Your Customer-Risikomanagement“), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 235 (Identitätsprüfung im Zuge geldwäscherechtlicher Anforderungen) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Querschnittsaufgaben“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Informationspflicht (information requirements): Auf dem Finanzmarkt allgemein die gesetzlich vorgeschriebene oder durch Weisungen der Aufsichtsbehörde angeordnete Aufklärungspflicht des jeweiligen Anbieters. Darüber hinaus erkannte die Rechtsprechungauch eine sog. „spontane Informationspflicht“. Diese besteht vor allem darin, dass eine Bank bei sorgfältiger Aufmerksamkeit feststellen muss, dass eine bestimmte Gefahr seitens des Kunden nicht erkannt bzw. wahrgenommen wurde (Warnung). Bei Offerten über Fernkommunikationsmittel im besonderen auch die Bestimmungen, wie diese im einzelnen in der Informationspflichten-Verordnung (BGB-InfoVO) festgelegt sind. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Hier sind in § 1, Abs. 2 BGB-InfoVO für Finanzdienstleister acht zusätzliche Informationspflichten vorgegeben. In Deutschland haben gemäss § 24c KWG Banken sämtliche Kundenstamm- und Bewegungsdaten zum automatisierten Abruf bereitzuhalten. Nach der 2005 in Kraft getretenen Zinsinformationsverordnung (ZIV) sind Banken zudem verpflichtet, Kontrollmitteilungen über Zinseinkünfte an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) in Bonn zu erteilen. Siehe Anleger-Informationspflicht, Aufklärungspflicht, Authentifizierungsgebot, Derivate-Informationspflicht, Editionsgebot, Identitätsprüfungspflicht, Information, Informations-Überladung, Kontenoffenlegung, Kundendaten-Informationspflicht, Kürteil, Zahlungsverkehrsverordnung.

Innertageskredit (intraday credit, daylight credit): Kreditgewährung mit einer Laufzeit von weniger als einem Geschäftstag. Die EZB gewährt zugelassenen Geschäftspartnern für Zwecke des Zahlungsverkehrs (und auf der Grundlage von Sicherheiten) grundsätzlich Innertageskredite. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Insolvenz in älteren Dokumenten auch Fall [isse]iment und Bank[e]rott (insolvency, ban-kruptcy): Das Unvermögen einer Wirtschaftseinheit (Unternehmen, Privathaushalt), seinen Zahlungsverpflichtungen bei Fälligkeit nachzukommen (situation of a company or individual whose creditworthiness position is so weak that he cannot meet its contractual financial obligations, such as paying interest and principal). Für die Abwicklung einer Insolvenz gibt es eine eigene, rechtlich durch die Insolvenzordnung festgelegte Prozedur, nämlich das Insolvenzverfahren, das in Deutschland bis 1999 Konkurs genannt wurde. In manchen Lehrbüchern eine Lage, bei der die Passiva die Aktiva übersteigen (Überschuldung; liabilities exceeding the assets), und damit eine drohende Zahlungsunfähigkeit sichtbar wird. Nach § 18, Abs. 2 InsO kann diesfalls bereits ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt werden; dies geschieht vor allem, um eine allfällige Sanierunganzustreben.

Siehe Adressenauffallrisiko, Bankrott, Bewertungsergebnis, Crash, Einzug, Geldeintreibung, Insolvenzkosten, Intercreditor Agreement, Liquiditätskrisenplan, Manifestierung, Notlage, finanzielle, Rettungsbeihilfe, Sanierung, Verlustteilungsprinzip, Zahlungsunfähigkeit. Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 81 f. (in Bezug auf die „Sanierungs- und Liquidations-Richtlinie für Kreditinstitute“ der EU und ihre Umsetzung ins deutsche Recht), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 62 f. (Insolvenzsicherungssysteme) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 26 (starke Zuwächse der Insolvenzen bei Privathaushalten in Deutschland führt zu erhöhtem Bewertungsaufwand bei den Banken), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 21 f. (Übersicht der Unternehmens- und Verbraucherinsolvenzen), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 34 f. (Insolvenzen seit 1999; Forderungsvolumen [volume of claims] aus Insolvenzen; Übersichten), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 29 f. (Firmenpleiten stiegen an) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Wirtschaftliches Umfeld“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Insolvenz, betrügerische (fraudulent insolvency): Ein Unternehmen meldet Zahlungsfähigkeit an, und es ist tatsächlich auch aller Finanzmittel bar. Dieser Zustand wurde aber absichtlich herbeigeführt, weil etwa ein Rechtsstreit mit ungünstigem Ausgang gegen die Firma anhing, oder weil die zu bezahlenden Löhne und Gehälter unverhältnismässig hoch waren. In der Regel verlieren dann auch die Banken ihre an das Unternehmen gewährte Darlehn. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Insolvenzantrag (petition for insolvency proceedings): Gesuch auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Für überschuldete Finanzdienstleister kann ein solcher Antrag auch von der Aufsichtsbehörde gestellt werden. Siehe Insolvenz. Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 143 (die BaFin stellt Insolvenzantrag bei fehlbarem Institut). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

International Bank Account Number, IBAN: Weltweit standardisiertes Kontonummer-Format mit maximal 34 Stellen; die ersten vier Stellen enthalten den Ländercode (etwa: CH für die Schweiz) und die Prüfziffer (39), es folgt vierstellig das Finanzinstitut (etwa: 0070 für die Zürcher Kantonalbank) und dann die Kontonummer. Die IBAN dient der vereinfachten Abwicklung des Zahlungsverkehrs, vor allem im grenzüberschreitenden Bereich. Nach den Plänen der Europäischen Kommission soll auch bis 2013 im Überweisungsverkehr innert Europas die IBAN zur Pflicht werden. Seit November 2009 müssen Banken in Deutschland bei Überweisungen nicht mehr prüfen, ob die Kontonummer zum Empfängername passt. Dies geschah in Anpassung der Zahlungsdienstrichtlinie der EU (Payment Services Directive, PSD), die durch ein Umsetzungsgesetz vom 9. Juli 2009 in deutsches Recht eingebettet wurde. Wohin eine Überweisung geht, richtet sich allein nach der Kontonummer. Siehe Bank Identifier Code. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.


Internetbank (trade name Internet bank; click and mortar bank): Herkömmliche Bank mit Filialsystem, die einen Teil der Geschäfte entweder direkt oder über eine eigens dazu gegründete Tochter durch eine entsprechend gestaltete Seite (Internetschalter, transactional website) auch über das Internet abwickelt. Das Internet-Tochterunternehmen hat hier die Möglichkeit, bei Engpässen und bei gewissen Geschäften auf das Filialsystem des Mutterunternehmens (parent company) zurückzugreifen. Siehe Automaten-Abhebegebühr, Bank, Direktbank, Mobile Banking, Homebanking, Infrastructure Providing, Metcalfe-Regel, Moonlight Banking, , Online-Banking, Onliner, Phishing, Sofa-Banking. Siehe zur Ertragslage Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2006, S. 24 f. (mit Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.