Finanzlexikon G

Garantiezins (guaranteed interest [rate]): In der Assekuranz der Höchstzinssatz für die Kalkulation einer Prämie. Verzinst werden aber nicht die einbezahlten Beträge gesamthaft, sondern nur ein Teil davon, der sog. Sparbeitrag. Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 61, Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 32 (Senkung des Garantiezinses). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Geld (money): Das in einer Gesellschaft vorherrschende, von den Menschen gebrauchte – Zwischentauschgut sowie in einem auch – die Recheneinheit, nämlich der Masstab, die Vergleichsgrösse, die Messlatte (yardstick), in welcher ökonomische Werte allgemein ausgedrückt werden. Zahlungsmittel – in zusammengesetzten Begriffen eine Summe, die zwangsweise zu zahlen ist: eine Abgabe, wie Chausseegeld oder eine Auszahlung aufgrund eines Vertrags, wie Wohngeld. An der Börse steht Geld (im Gegensatz zu Brief) für Nachfrage, für Kaufwünsche. Siehe Actus-purus-Grundsatz, Assignaten, Banknote, Begültigung, Finanzmittel, Geldbasis, Gelder, Geldfunktionen, Geldheimat, Geldmenge, Hartgeld, Inflation, Kapital, Kaufkraft, Mittel, Münzen, Nominalwertprinzip, Regionalgeld, Scheidemünze, Schmuckgeld, Seignorage, Sparen, Summe, Symboltheorie, Umlaufsfähigkeit, Währung, Zahlungsmittel, Zentralbankgeld, Zins, Zinsallkokations-Funktion. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Geld, geparktes (parked money): Wenn nicht anders definiert ungewöhnlich hohe Einlagen der Banken auf dem Konto der Zentralbank. Dies ist in Krisenzeiten zu beobachten, wo sich die Institute lieber mit einem niedrigen, aber sicheren Zinssatz bei der Zentralbank zufrieden geben, als Darlehn an die Kunden zu höheren Zinsen zu gewähren. Siehe Einlage-Fazilität. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Geld, umlaufendes (running money): Grob der Bestand an Bargeld, Buchgeld samt dem Umlauf an Nebenwährungen innert eines Währungsgebiets. Siehe Geldmenge. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Geld(ausgabe)automat, GAA (cash dispenser, cash machine; USA: automated teller machine, ATM; teller = [im amerikanischen Englisch] Kassierer): Maschinelle Vorrichtung, durch welche Kunden (meistens in den Vorräumen der Bank) rund um die Uhr Geld von ihren Konten (auch durch Geldkarte) abheben können (an electromechanical device that enables self-servicing cash dispensing with use of a card); vielfach auch (international) „Bankomat“ genannt. Zum Jahresende 2010 standen in Deutschland der Kundschaft etwa 54 000 Geldautomaten zur Verfügung; diesen standen aber nur 1 400 Einzahlungsgeräte gegenüber.

Zum gleichen Zeitpunkt wurde etwa die Hälfte der Bargeldnachfrage über Geldausgabeautomaten gedeckt. Die Verbreitung der Geldautomaten begünstigte sich überall dort, wo die Apparate nicht mehr von der Steuerbehörde als eigene, selbständige Betriebsstätte (independent commercial unit: jede feste örtliche Anlage oder Einrichtung, welche der Ausübung der Geschäfte eines stehenden Gewerbes dient) erfasst und als solche der Gewerbesteuer (trade tax) unterworfen wurden. Siehe Auszug, Bargeldbeschaffung, Bargeldkarte, Bargeldkreislauf, Geldkarte, Geschäftsstelle, vollautomatische, Kontostands-Abfrage, Skimming, Strazze. Vgl. Monatsbericht der deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 94. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Geldautomaten-Sperre (blocking of cash machine): Die Verweigerung der Annahme von Geldkarten fremder Kartenausgeber durch eine Bank oder eine Institutsgruppe. So schlos­sen anfangs 2010 deutsche Sparkassen die von Direktbanken ausgegebenen Geldkarten an ihren Automaten aus. Denn die kostenintensive (cost-intensive) flächendeckende (area-wide) Bargeldversorgung – im Grunde gedacht als Angebot an die eigene Kundschaft – durch die Geldautomaten der Sparkassen führte dazu, dass Kunden der Sparkassen zu kostengünstigeren (lower-cost) Direktbanken wechselten. Siehe Ablehnung, Automaten-Abhebegebühr, Ausgeber, Autorisierung, Barzahlungsquote, Chipkarte, Geld, elektronisches, Internetbank, reine, Interoptabilität, Karte, multifunktionale, Karten-Echtheitsprüfung, Konto, anonymes, Netzgeldgeschäft, Plastikgeld, Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Geldfunktionen, primäre (primary functions of money): Geld ist Zwischentauschmittel (medium of exchange): man zahlt in Geld. Das Geld vermittelt den Austausch der Güter. Geld ist Recheneinheit (unit of account): man beziffert in Geld. Das Geld wird als Nenner aller Preise und Werte gebraucht; Geld ist Wertmassstab. Siehe Ausgangstatsache, ökonomische, Geld, privates, Geldfunktionen sekundäre, Geldwertstabilität, Inflation. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Geldkarte (pay card, chip card, smart card): Der bargeldlosen Zahlung dienende, mit einem Mirkoprozessor (Chip) ausgestattete Karte. Sie kann in ihrer Grundform als elektronische Geldbörse genutzt und mit verschiedenen Zusatzfunktionen (wie Parken, Telephonieren) ausgerüstet werden. Emittenten von Geldkarten unterliegen grundsätzlich der Aufsicht; wegen Ausnahmen siehe § 2, Abs. 5 KWG. Auch gilt hier die für eine Kontoeröffnung vorgeschriebene Identitätsprüfungspflicht. Das (wohl nicht lösbare) Problem (unresolvable issue) bei den Geldkarten liegt darin, dass sie bei weitem mehr als (das durch die Zentralbanken mit hohem Aufwand geschützte) Bargeld gefälscht und verfälscht werden können. Über den Anteil der Counterfeit Cards und das durch sie ausgelöste betrügerische Transaktionsvolumen gibt es widersprechende Angaben.

Unterschiedliche Meinungen gibt es auch dazu, inwieweit Geldkarten Auswirkungen auf das Konsumverhalten der Privathaushalte haben, und ob ein Kontrollverlust im Umgang mit Geld durch die Karten bewirkt werde. Siehe Ablehnung, Ausgeber, Autorisierung, Barzahlungsquote, Community Card, Computerzahlung, Chipkarte, Disagio, EMV-Richtschnur, Firmenkreditkarte, Geldautomaten-Sperre, Geld, elektronisches, Interoptabilität, Karte, multifunktionale, Karten-Echtheitsprüfung, Konto, anonymes, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Plastikgeld, Prozessor, Sparbuch, Ticketing, electronic, Winkelmakler, Zahlungskarte. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 93 ff. (ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2009, S. 52 f. (im Jahr 2008 zahlten 58 Prozent der Deutschen mit Bargeld und nur 26 Prozent mit Karte; Entwicklungslinien). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Geldkreislauf (money flow): In der vereinfachten volkswirtschaftlicher Modellbetrachtung einer geschlossenen (= ohne Verknüpfung mit dem Ausland bestehenden) Wirtschaft fliesst den Privathaushalten für ihr Angebot an Faktorleistungen (Arbeit, Kapital, Boden) Geldeinkommen (Löhne, Zinsen, Pachten) zu. Dieses Einkommen verwenden die Privathaushalte als Konsumausgaben zur Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen auf dem Gütermarkt. Von da gelangt das Geld als Verkaufserlös zurück zu den Unternehmen, die damit wieder Leistungen von den Privathaushalten auf dem Faktormarkt kaufen. Soweit Geld gespart wird, fliesst es den Banken zu, welche diese Beträge als Darlehn zu Investitionszwecken an die Unternehmen weiterleiten. Siehe Horten, Sparen, Sparquote. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Geldmittel (money, funds): Umgangssprachlicher, inhaltlich schwer abzugrenzender Begriff in der Bedeutung Geld, finanzielle Vermögenswerte (monetary assets), Finanzkraft (financial power). Siehe Finanzvermögen, Geldvermögen, Kapital, Liquidität, Mittel, Reichtum, Summe. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Geldnutzen (cash utility): Wenn nicht anders definiert der Vorteil, der aus der Haltung von Bargeld fliesst. Dieser wird auf der Ebene der Privathaushalte vor allem darin gesehen, dass man unerwartet auftretende Kaufgelegenheiten („Schnäppchen“; bargain buy) sofort wahrnehmen kann und sich allgemein vor einer Zahlungsklemme absichert. In dem Masse, wie Geldkarten das Bargeld ersetzen, verliert der Geldnutzen an Bedeutung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Geldwäsche, auch vor allem in der Schweiz – Geldwäscherei
(money laundering). Das Einschleusen von Beträgen aus gesetzwidrigen Geschäften in den regulären, normalen Finanzkreislauf. Geldwäsche ist grundsätzlich ein Problem der Banken, weil ihre Infrastruktur von Kriminellen missbraucht wird. Daher müssen Banken die Geldbewegungen auf ihren Konten genau beobachten (Motto: „Kenne den Kunden deines Kunden“) und Verdachtsfälle an die Strafverfolgungsbehörden melden. Das Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten (Geldwäschegesetz [GwG]) aus dem Jahr 1993 schreibt in § 14 im einzelnen vor, inwieweit interne Vorkehrungen gegen Geldwäsche vor allem Banken, Versicherungen, Versteigerer, Finanzdienstleister, Kapitalanlagegesellschaften, Edelmetallhändler und Spielbanken treffen müssen. Siehe Address Spoofing, Bargeldkontrolle, Domizil-Verschleierung, Drogengeld, Financial Action Task Force on Money Laundering, Finanzbeschränkungen, Geldtransferverordnung, Gefährdungsanalyse, Geld, schmutziges, Geldtransfer-Vermittler, Konto, falsches, Kontenoffenlegung, Kontensperre, Kundendaten-Informationspflicht, Londoner System, Offshore-Finanzplätze, Outsourcing, Registriergeld, Versteigerer.


Vgl. ausführlich (mit Fallbeispielen) Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 68 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 80 ff., Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 181 (Inkrafttreten der Dritten EU-Geldwäscherichtlinie am 15. Dezember 2005), S. 183 (Defizite bei Prüfungen), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 193 ff. (Internationales; Rechtsentwicklung; Sonderprüfungen im Inland), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 213 f. (Grundlagendokument [fact sheet] der FATF zur risikoorientierten Bekämpfung der Geldwäsche; Geldwäsche-Länderprüfungen [country evaluations for money laundering]), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 207 (Inkrafttreten des Geldwäschebekämpfungsergänzungsgesetzes im August 2008; Auslegungs- und Anwendungshinweise; Geldwäscheaufsicht der BaFin auch für Factoring- und Leasingunternehmen), S. 208 (Versicherer müssen Zahlungsweise von Prämien überwachen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 234 ff. (Geldwäschebekämpfungsergänzungsgesetz [GweG]; geldwäscherechtliche Pflichten durch Gefährdungsanalyse; Arbeitsgruppe im Zuge der EU-Geldtransferverordnung) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Querschnittsaufgaben“: Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Geschäftsbank (commercial bank): Älterer Ausdruck für jedes Unternehmen, das mindestens Einlagen von Kunden annimmt (Depositengeschäft, Einlagegeschäft) und bargeldlosen Zahlungsverkehr (Girogeschäft, Umschreibegeschäft) besorgt, in der Regel heute aber viele weitere Dienstleistungen auf Finanzmärkten erbringt. Man spricht jetzt nur noch von Bank; der Ausdruck Geschäftsbank wird meistens lediglich dann gebraucht, um von der Zentralbank (Notenbank) begrifflich abzugrenzen. In den USA im Gegensatz zur Investmentbank, die lediglich das Kapitalmarktgeschäft ausübt, ein Institut, das nur das Einlage- und Kreditgeschäft betreibt. Im Zuge der Subprime-Krise verschwanden die letzten fünf reinen Investmentbanken; zwei (Goldman Sachs und Morgan Stanley) wandelten sich zur Universalbank um. Siehe Bank, Bankensystem, Hybridbank, Institut, Investmentbank, Trennbanksystem. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Giro (giro): Überweisung im bargeldlosen Zahlungsverkehr. Die Übertragung eines Orderpapiers (wie Wechsel, Scheck, Schuldschein) durch Indossament. Derjenige, welcher das Papier unterschreibt, wonach dieses an eine andere Adresse übergehen soll, heisst Girant (indorser, endorser). Wem das Papier durch Indossament übertragen wird, heisst Giratar (indorsee, endorsee). Siehe Allonge, Nachmänne, Single European Payment Area, Wechsel. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Girobank (clearing bank, cheque bank): In älteren Veröffentlichungen ein Institut, das im besonderen auf den Überweisungsverkehr (heute selbstverständlicher Geschäftszweig einer Bank) ausgerichtet ist. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Girogeschäft in alten Veröffentlichungen auch Umschreibegeschäft (clearing business): Die Durchführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und des Abrechnungsverkehrs. Entsprechende Aktivitäten sind in Deutschland erlaubnispflichtig und unterliegen der Kontrolle der Aufsichtsbehörde. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Giropay (so auch im Deutschen): Ein innovatives Bezahlverfahren im Internethandel, bei dem der Kunde von der Kasse des Internethändlers unmittelbar auf das Online-Portal seiner Bank geleitet wird. Gleich nach Ausführung der Überweisung erhält der Händler automatisch eine Zahlungsbestätigung. Siehe Billpoint, Online-Banking, Payez Mobile. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 96 ff. (Darstellung dieses sowie anderer Bezahlverfahren; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 62 ff. (Fortschritt bei innovativen Bezahlverfahren allgemein; Insellösungen [isolated applications] hemmen den Gebrauch neuer Zahlungswege). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Guthaben (credit balance; assets): Der Kredit-Saldo eines Kontos: die Belastungen überschreitende Gutschriften, im älteren Schrifttum auch nur Haben. Andere Bezeichnung für Vermögen, in älteren Dokumenten auch Habschaft und Habschaften. Siehe M1. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Guthaben, verfügbares (available funds, cash in hand): Wenn nicht anders definiert, Bargeld und Bargeldbestände einer Wirtschaftseinheit auf dem Konto; manchmal werden auch die Sichteinlagen hinzugezählt. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.