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13. Dezember 2017

Finanzlexikon F

Factoring (factoring): Ein besondere Art des Kreditgeschäftes, nämlich der gewerbsmässig betriebene Erwerb von Geldforderungen, in der Regel von Firmen, die Güter mit Zahlungsziel an gewerbliche Kunden verkauft haben; also die Forderungs-Vorfinanzierung (a credit transaction whereby a company, holding an outstanding commercial bill of exchange, transfers it to its bank or to a specialised financial institution in exchange for the payment of the bill, less interest and commissions, and fees). Entsprechende Unternehmen (factoring company) werden in der Rechtssprache Factor (factor) genannt und in Deutschland nach § 1, Abs. 3, 4 als Finanzunternehmen eingestuft; sie bedürfen seit Dezember 2008 einer Erlaubnis und unterliegen der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Seit etwa 2000 sind verstärkt Hedge-Fonds in dieses Marktsegment eingedrungen; 2005 kauften beispielsweise Hedge-Fonds von den Gläubigerbanken an den deutschen Warenhauskonzern KarstadtQuelle gewährte Darlehn in Höhe von über 500 Mio EUR ab. Siehe Ausschlachten, Debitorenmanagement, Event-Driven Fund, Factoring, unechtes, Fälligkeits-Factoring, Finanzunternehmen, Self-Factoring, Sicherungseinbehalt, Ultimo-Factoring, Zessionskredit. Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 109 f. (Erlaubnistatbestände beim Factoring), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 158 (vereinfachtes Erlaubnisverfahren bis Ende Januar 2009). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Fact Sheet (so zumeist im Deutschen; seltener Datenblatt): In der Finanzsprache auch der (ausgedruckte) Beleg über alle Geschäfte mit einem Kunden und damit über einen reinen Kontoauszug hinausgehend. Siehe Customasing, Kunden-Zentrierung, Scoring. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Fälligkeitstag (maturity date): Bei der EZB das Datum, an dem eine geldpolitische Operation ausläuft. Im Falle einer Rückkaufsvereinbarung oder eines Swapgeschäfts entspricht der Fälligkeitstag dem Rückkaufstag. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Fälschungssicherung (counterprofileration of counterfeit banknotes): Im Rahmen des Banknoten-Managements einer Zentralbank die Aufgabe, das Fälschen von Papiergeld möglich ganz zu verhindern und gefälschte Geldzeichen aus dem Verkehr zu ziehen. Dem ersten Auftrag dienen Guillochen, Wasserzeichen, dreidimensionale Abbildungen (= Hologramme; holograms), Metallfäden, bei Lichteinfall aufleuchtende (= fluoreszierende; fluorescent) Fasern, Spezial-Papiere oder auch Kunststoffmaterial mit gesprenkelten (melierten; mottled) Fasern, Fenstergeld, Lochzahlen (= feine Durchbohrung im Geldschein, die mit einem Laser eingebrannt wird) sowie Einbau eines lesbaren Halbleiterplättchens. Dieser Chip speichert eine Seriennummer; Scanner können dann anhand dieser Kennung die Echtheit der Banknote zweifelsfrei bestimmen.

Gegen Chips in Banknoten wird seitens der Datenschützer eingewendet, dass bei Sicherheitskontrollen offenbar wird, wer welche Scheine in der Tasche habe. Siehe Banknotenausschuss, Banknotenmanagement, Brücke-Abneysches Phänomen, Chipkarte, Card Validation Code, Fenstergeld, Guilloche, Super Notes, Umlaufsfähigkeit, Zentralbank-Arbeitsgruppe für die Fälschungsbekämpfung. Siehe Geschäftsbericht 2006 der Deutschen Bundesbank, S. 99 f. (Statistik zur Banknoten- und Münzfälschungen), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 111 ff. (allgemeine Probleme; zweite Serie der Eurobanknoten; S. 114: Übersicht Fälschungen bis 2007), Jahresbericht 2007 der EZB, S. 124 ff. (Fortschritte in der internationalen Zusammenarbeit; Übersicht aufgetauchter Falsifikate), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 135 ff. (Massnahmen der Fälschungs-Vorbeugung), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 125 f. (Übersicht; weitere Massnahmen zur Fälschungsprävention) sowie den jeweiligen Jahresbericht der EZB, Kapitel „Zentralbankgeschäfte und -Aktivitäten“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Festgebühr (flat rate compensation): Bei Banken die Belastung eines Kunden (in der Regel eines Privathaushalts) mit einer Pauschalsumme als Entgelt für erbrachte Leistungen. Die Kontoführungsgebühr ist darin in der Regel eingeschlossen. Siehe Festpreisgeschäft. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Festzins (fixed rate [of interest]): In der bankgeschäftlichen Praxis ist damit ein Zinssatz gemeint, der über eine genau vereinbarte Zeit unverändert bleibt. Diese Zeit muss aber nicht (was sehr häufig von privaten Kreditnehmern übersehen wird!) die Vertragsdauer des Geschäftes gesamthaft ausfüllen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Financial Stability Oversight Council, FSOC (mit Rat zur Überwachung der Finanzstabilität ins Deutsche übersetzt): Im Sommer 2010 in den USA eingerichtetes, mit der makroprudentiellen Aufsicht befasste Gremium von neuen Mitgliedern unter Vorsitz des Finanzministers. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Finanz (usury): In älteren Dokumenten als Hauptwort (Substantiv und männlichen Geschlechtes) für sich und nur in der Singularform gesagt für Wucher, für betrügerische Machenschaften im Geschäftsverkehr (deceptive business practice). Siehe Agiotage, Danismus, Marktmissbrauch, Übersatz. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Finanzakzelerator (financial accelerator): Weitet die Zentralbank die Geldmenge aus, dann kann es unter gewissen Umständen zu einer Belebung der Wirtschaft gesamthaft kommen. Siehe Akzelerator, finanzieller. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.


Finanzberater auch Vermögensberater (financial advisor): Person, die Kunden in Bezug auf Geschäfte auf den Finanzmarkt, einschliesslich der Versicherung, mit Empfehlungen und Vorschlägen zu Diensten steht; siehe auch § 676 BGB. Unterschieden wird zwischen Personen, die eine Erlaubnis nach § 32 KWG besitzen und von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht werden; sie sind in ihrer Beratungstätigkeit fast nicht beschränkt und Personen, die lediglich eine Gewerbeanmeldung und Erlaubnis nach der Gewerbeordnung vorweisen können; ihnen ist die Anlageberatung in Bezug auf Investmentfonds gestattet, sie dürfen jedoch keine Empfehlungen zu anderen Segmenten des Finanzmarktes abgeben. Siehe Anlage-Empfehlung, Analyse, technische, Analyst, Blog, Börsenbriefe, Direct Brokerage, Daimonion, Domizil-Verschleierung, Finanzanalyse, Finanzanalyseverordnung, Finanzanalyst, Finanzgeier, Finanzunternehmen, Frontrunning, Geheimtip, Honorarberater, Internet-Foren, Journalisten-Privileg, KWG-Vermittlerverord­nung, Marktmissbrauchs-Richtlinie, Nachweismakelei. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Finanzerträge (financial income): Wenn nicht anders definiert, so meint man damit bei einem Unternehmen Einnahmen aus vorübergehender Liquidität (temporary surplus cash), angelegt in kurze Engagements und börsengängige Wertpapiere (marketable securities). Hinzugezählt werden meistens auch Gewinne aus Fremdwährungsgeschäften (foreign exchange gains) sowie Rückbuchungen zu in vorhergehenden Perioden getätigten Rückstellungen (write-backs on provisions). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Finanzierungslücke (funding gap, funding shortfall): Wenn nicht anders definiert, bei einer Bank das Verhältnis von Darlehn an Nichtbanken zu Einlagen (Depositen) von Nichtbanken. Diese Lücke muss ein Institut über Refinanzierung am Interbanken-Geldmarkt(Wholesale-Markt) schliessen. In Krisenzeiten kann daraus ein Problem entstehen, wenn die Refinanzierungsmärkte durch hohe Unsicherheit über die Bonität der Gegenparteien plötzlich austrocknen, wie dies gelegentlich der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise der Fall war. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Finanzierungsregel, goldene (golden rule of financing): Grundsatz, der eine Übereinstimmung in den Fristen (Fristen-Kongruenz; matching maturities) zwischen Kapitalbeschaffung und Kapitalrückzahlung einerseits und Kapitalverwendung andererseits fordert.Anders ausgedrückt: Kapital darf nicht zeitlich länger in Vermögensteile gebunden werden, als die jeweilige Kapital-Überlasssungsdauer beträgt. Siehe Balance Reporting, Bankregel, goldene, Cash-Management, Finanzplanung, Liquidität, optimale, Liquiditätsrisiko, Unterliquidität. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Finanzkontrakt (financial contract): Allgemein jeder Vertrag, der für beide Parteien gegenseitig unbedingte oder bedingte Ansprüche auf sofortige und/oder spätere Zahlung begründet. Eine Unterform ist der Versicherungsvertrag (insurance contract). Hier verspricht die eine Partei (Versicherungsgeber; insurer, insurance underwriter) der anderen Partei (Versicherungsnehmer; insuree, policyholder), die im Gegenzug sofort eine Prämie entrichtet, eine spätere Zahlung. Diese Zahlung ist insofern bedingt, als sie nur beim Eintritt eines vorab genau festgelegten Ereignisses zu leisten ist. Siehe Finanzprodukt, Risiko, Transaktion, Versicherungsvertrag. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Finanzmarktaufsicht, europäische (central European financial supervision): Die Zielvorstellung, dass es in der EU gesamtfhaft nur noch eine einzige Aufsichtsbehörde gibt. Zwar ist eine prudentielle Rechtsangleichung in der EU durchaus erstrebenswert, und diese wird auch im Zuge des Lamfalussy-Verfahrens seit 2001 zügig vorangetrieben. Aber eine zentrale europäische Aufsichtsbehörde ist kaum wünschenswert. Siehe Aufsicht, europäische, Finanzmarktintegration, Lamfalussy-Verfahren, Lamfalussy-Vorschlag, Overkill, regulatorischer, Regulierungswut, Straitjacking, Subsidiaritätsprinzip, Transparenzgrad, Überregulierung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Finanzmarktrecht (financial market legal system): Die Gesamtheit aller Regelungen, die das Handeln auf dem Finanzmarkt in nationalem oder internationalem Rahmen ordnen, festlegen und bestimmen. Siehe Regulierung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Finanzplanung (financial planning, financial programming): Bei einem Unternehmen die gedankliche Vorwegnahme künftig anfallender Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge, verbunden mit der Entscheidung, auf welche Weise betriebliche Vorgänge auf allen Stufen am (zins)günstigsten im Geld ausgeführt werden können. In der bezüglichen Fachliteratur werden dazu viele Musterrechnungen angeboten. Siehe Balance Reporting, Cash-Management, Finanzierungsregel, goldene, Finanzwirtschaft, Liquidität, optimale, Liquiditätsrisiko, Unterliquidität, Zahlungsstrom. Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 56 (Vorschriften für das Liquiditätsrisiko-Management). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Finanzprodukte, kartengestützte (card-based fincancial products): Transaktionen, die ein Kunde mit Hilfe einer Karte auf dem Finanzmarkt tätigen kann. Siehe Geld, elektronisches, Kreditkartenfiasko, Pay-Green-Initiative. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Firmenkreditkarte (business credit card): Zahlungsvorgänge (wie etwa bei Reiskosten) in einem Unternehmen werden zwischen einem Arbeitnehmer und dem Unternehmen über eine Geldkarte abgewickelt. Dabei erweitert entweder das Unternehmen den mit einem kartenausgebenden Unternehmen bestehenden Vertrag über eine Hauptkarte um die Ausgabe von Zusatzkarten für bestimmte Mitarbeiter oder es wird ein Einzelkreditkartenvertrag zwischen dem kartenausgebenden Unternehmen und dem einzelnen Arbeitnehmer geschlossen. Rechtlich besteht in beiden Fällen eine gesamtschuldnerische Haftung des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers für die mit der Firmenkreditkarte getätigten Umsätze.

Wegen vieler damit zusammenhängender Rechtsfragen (Missbrauch der Karte durch Nutzung Dritter, Beteiligungsrechte des Betriebsrats bei Einführung einer Firmenkreditkarte, datenschutzrechtliche Vorgaben, steuerliche und sozialversicherungsbezügliche Streitfragen: die Firmenkreditkarten sind inzwischen zu einem eigenen Sondergebiet des Arbeitsrechts geworden) werden Firmenkreditkarten in den letzten Jahren nur noch sparsam ausgegeben. Man stattet heute Mitarbeiter eher mit einer Tankkarte oder einer vorausbezahlten Karte zum Bahnfahren aus. Siehe Auszahlung, Chipkarte, Community Card, Geld, elektronisches, Geldkarte, Fringe Benefits, Geldautomaten-Sperre, Karten-Allianz, Kreditkarte, Netzgeldgeschäft, Pay-Green-Initiative, Plastikgeld. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Free Banking (so auch im Deutschen gesagt): Der Rückzug des Staates aus dem Geldwesen und die völlige Privatisierung des Geldsystems, auch Marktgeldsystem (market-driven monetary system) genannt. Jedem soll es freistehen, sein eigenes Geld anzubieten. Das wertbeständigste Zahlungsmittel würde sich dann durchsetzen. Nach dem Anti-Greshamschen Gesetz wären dies ohne Zweifel Münzen (auch mit sehr hohem Gewicht und beträchtlichem Wert) aus Edelmetall bzw. ganz in Edelmetall gedeckte Banknoten. – Siehe Geld, privates, Parallelwährung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

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