Finanzlexikon E

Effektivzins (actual interest rate): Bei Darlehn der Nominalzins unter Berücksichtigung von Disagio, Bearbeitungsgebühren, Tilgungsmodalitäten (wie Tilgungshöhe, tilgungsfreie Zeiträume, Tilgungstermine, Tilgungs-Verrechnungstermine), Zinszahlungs- und (unterjährige) Zins-Verrechnungstermine sowie Zinstagezählung (in Deutschland pro Monat 30 Tage und das Jahr 360 Tage, in den USA und an anderen Plätzen in aller Regel tagesgenaue Auszählung). Der Effektivzins ist nicht mit dem Realzins zu verwechseln, was dennoch häufig geschieht. Siehe Actual/Actual, Eurozinsmethode, Zinstagezählung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

E-Geldgeschäft (e-money business): Durch die E-Geld-Richtlinie 2000/46/EG wurden die Bankgeschäfte „Geldkartengeschäft“ und „Netzgeldgeschäft“ zu dem neuen Bankgeschäftstatbestand „E-Geldgeschäft“ zusammengefasst. Entsprechend wurden „E-Geld-Institute“ als eigene Gattung in das KWG aufgenommen. § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 11 KWG definiert das E-Geld-Geschäft als „die Ausgabe und die Verwaltung von elektronischem Geld“. Elektronisches Geld sind gemäss § 1 Abs. 14 KWG Werteinheiten in Form einer Forderung gegen die ausgebende Stelle, die auf elektronischen Datenträgern gespeichert sind, gegen Annahme eines Geldbetrages ausgegeben und von Dritten als Zahlungsmittel angenommen werden, ohne gesetzliches Zahlungsmittel zu sein. Netzgeldgeschäft, Rücktausch-Verpflichtung. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 1999, S. 41 ff. (E-Geld dringt vor), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2006, S. 93 ff. (Entwicklung bei elektronischen Bezahlverfahren). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Eidgenössische Bankenkommission, EBK (Federal Banking Commission): Aufsichtsbehörde in der Schweiz zur Überwachung der Vorschriften des Banken- und Anlagefondsgesetzes; ging in die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht ein. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Eilkredit (express loan): Ein Darlehn, welches die Bank in besonderen Fällen (etwa: Wasserschaden, Autounfall, Ausfall der Heizungsanlage) einem Privathaushalt sofort oder doch sehr rasch zur Verfügung stellt. Regelmässige Voraussetzung ist dabei freilich, dass die Bank den Kunden kennt, oder dass Behörden bzw. Versicherungen (wie im Falle von Überschwemmungen oder andere Naturkatastrophen) für das Darlehn eine Haftung übernehmen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist (deposits redeemable at notice): Im statistischen System der EZB handelt es sich hier um Spareinlagen, die Einleger zur Einhaltung einer vereinbarten Kündigungsfrist verpflichten, ehe sie über die Einlagen verfügen können. Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist bis zu drei Monaten sind in M 2 (und damit auch in M 3) enthalten. Hingegen zählen Einlagen mit einer drei Monate überschreitenden vereinbarten Kündigungsfrist zu den längerfristigen finanziellen Verbindlichkeiten des Sektors Monetäre Finanzinstitute. Vgl. auch den von der EZB herausgegebenen Leitfaden „Die einheitliche Geldpolitik in Stufe 3. Allgemeine Regelungen für die geldpolitischen Instrumente und Verfahren“, S. 107 sowie den jeweiligen Monatsbericht der EZB, dort der Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds“. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Einlagenzinsen (interest on deposit account): Die Höhe des Zinses in Prozent gerechnet oder Summe an gutgeschriebenen Zinsen, die ein Institut dem Kunden berechnet. Im Regelfall hängt die Zinshöhe vom Leitzins der Zentralbank ab. Siehe Einlagen, Kreditzinsen. Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 105 ff. (Abhängigkeit der Einlagezinsen vom Leitzins theoretisch und empirisch; Übersichten; Literaturverweise). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Einlagerungskredit (warehouse loan, credit designed to meet storage charges): Von Banken vor allem an Landhändler (Ernteaufkäufer) und Warenimporteure (merchandise importers) gewährte Darlehn, um die entsprechenden Güter bis zum Absatz zu speichern. Die Finanzierung geschieht auch heute noch häufig auch in Form eines Einlagerungswechsels (storage bill).

Einzahlung (inpayment; payment receipt): Der Übertragung von Geld (im engeren Sinne von Bargeld) auf das Konto bei einer Bank, einer Bausparskasse oder Versicherung. Der Zufluss von Zahlungsmitteln in einem Unternehmen, im Regelfall durch den Verkauf der erzeugten Güter, Siehe Ausgaben, Auszahlung, Bewidmung, Einkünfte, Einnahmen, Kassenkladde, Zuwendung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Einzug, Einkassierung auch Inkasso (cashing, collection): Das Einziehen von fälligen Forderungen, vor allem von Schecks, Wechseln und Dividendenscheinen, in der Regel durch eine Bank. – Uneinbringliche fällige Forderungen werden häufig von Spezialfirmen (Inkasso-Bureaux; debt collection agencies) eingezogen. Deren Erfolgsquote bei Privathaushalten wird in Deutschland mit an die fünfzig Prozent angegeben. – Siehe Downgrade-Trigger-Klausel, Faustpfandkredit, Geldeintreibung, Hard Claim, Inkassogeschäft, Kinderpfand, Kredithai, Kunde, fauler, Leichenpfand, Mahngebühr, Mietausfall-Versicherung, Zahlungsmoral, Zession, Ziel. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Electronic Banking (so auch im Deutschen): Dienstleistungen einer Bank, die von der Kundschaft ausserhalb des bauwerklichen Filialsystems (brick and mortar location) in Anspruch genommen werden. Die wachsende Bedeutung dieses Geschäftsfeldes birgt für eine Bank neben Abwicklungs- und Reputationsrisiken auch eine Reihe von Rechtsrisiken. Siehe Bank, gemischte, Bezahlverfahren, innovative, Direct Brokerage, Direktbank, Generation@, Internetbank, Metcalfe-Regel, nk, Mobile Banking, Multikanalbank, Online-Banking, Rechtsrisiken, Sofa-Banking, Telephon-Banking. Vgl. Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 53 ff., Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 26 (Wettbewerbsdruck), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 49 ff. (einzelne Verfahren des Electronic Banking; Literaturhinweise). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Electronic Banking Group: Arbeitsgruppe des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht mit dem Zweck, Mängel im Electronic Banking aufzudecken und allfälligen aufsichtsrechtliche Handlungsbedarf festzustellen. Daneben bemüht sich auch die EZB diesen Zielen im besonderen und hat verschiedene entsprechende Dokumente herausgegeben; siehe diese bei . Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.


Emittent (issuer): Entität, die aus der Begebung eines Wertpapiers oder eines anderen Finanzinstruments verpflichtet ist. Eine Geldkarten ausgebende Bank, auch Ausgeber und Issuer genannt. Rechtliche Einheit, die in einem Währungsgebiet Geld in Umlauf gibt; in der Regel der Staat oder die Zentralbank. Siehe Finanzbericht, Inlandsemittent, Jahresfinanzbericht. Vgl. wegen allfälliger Interessenkonfliktte bei der Begebung von Wertpapieren Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 125 f., Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 148 (Institute müssen sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter keine Absprachen mit dem Emittenten treffen, die eine günstige Anlage-Empfehlung in Aussicht stellen), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 151 (BaFin-Leitdaden für Emittenten neu aufgelegt). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

EU-Bankenvereinigung (European Banking Federation, EBF): Im Jahre 1960 gegründeter Interessensvertretung der Bankenbranche mit Sitz in Brüssel. Anstehende Entscheidungen der Europäischen Institutionen werden hier im Vorfeld auf Verbandsebene erörtert, um die Auffassung der Banken dann den zuständigen europäischen Institutionen zur Kenntnis zu bringen. Auch ermittelt die Vereinigung (auf dem Wege einer besonders angelegten Befragung) den EURIBOR. Der Verband vertritt die Interessen von um die 4 500 Banken in Europa mit (Mitte 2010) gesamthaft etwa 2,3 Mio Beschäftigten. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Euro (euro; ISO-Code [ISO 4217]: EUR): Bezeichnung der gemeinschaftlichen europäischen Währung. Sie trat am 1. Jänner 1999 in Form von Giralgeld in Kraft. Nach dreijähriger Übergangszeit wurde der Euro am 1. Jänner 2002 auch in Form von Banknoten und Münzen als offizielles Zahlungsmittel im Eurogebiet eingeführt. Der Name Euro wurde bei der Tagung des Europäischen Rates am 15./16. Dezember 1995 in Madrid festgelegt. In älteren Verträgen wird gemäss dessen nunmehr Euro an die Stelle von ECU (European Currency Unit) gesetzt. Die Währungsbezeichnung und ihre Teile (Cent; ausgesprochen in Deutschland teils „Sent“, teils „Tsent“) hat offiziell keine Pluralform; trotzdem setzt sich in der Umgangssprache (und sogar hin und wieder in der Fachwelt!) schlampig „Euros“ (ähnlich wie „Dollars“) und gar „Euronen“ durch. Das Eurozeichen wird, im Gegensatz zum USD, offiziell hinter die Zahl gesetzt, also $ 50 aber 50 €. Siehe Dollar, ECU, Petrodollar, Preisvergleich, Teuro, Vorverteilung, Währungsbezeichnung. Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2003, S. 79 ff.(zur internationalen Rolle des EUR), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 31 ff. (Zehnjahresrückblick: kritische Bilanz). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Euro-Bankenverband (Euro Banking Association, EBA): Gremium aus den Vertretern verschiedener europäischer Banken, das sich der Erörterung von bezüglichen Fachfragen widmet, und insbesondere Probleme erforscht, die mit der Verwendung des EUR und der Abrechnung von Euro-Transaktionen zusammenhängen. Der Verband entwickelte auch das erste europaweite automatische Clearinghaus für auf EUR lautende Massenzahlungen, EBA Clearing. Siehe Short-Term European Papers. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Eurogeldmarkt (euro money market): Angebot und Nachfrage nach kurzfristigen Mitteln in Euro. Marktteilnehmer (market participants) sind vor allem Banken und Fonds. Siehe Geldmarkt, Geldmarkt-Segmente, Geldmarkt-Volatilität. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2008, S. 71 ff. (Lehrbuchmässige Darstellung; Bedeutung des Marktes für die Geldpolitik der EZB; viele Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Europäische Bankenaufsichtsbehörde (European Banking Authority, EBA): Zum Jahresbeginn 2011 ihre Arbeit aufnehmende gesamteuropäische Aufsichtsbehörde mit gewissen Befugnissen zu Anweisungen auch gegenüber nationalen Aufsichtsbehörden. Siehe Abschreckung, aufsichtsrechtliche, Anlegerschutz, Aufsicht, europäische, Banana Skins Survey, Octopus, Offshore-Finanzplätze, Peter-Regel, Regulierungs-Arbitrage, Regulierungswut, Straitjacking, Subsidiaritätsprinzip. Überregulierung, Aufsicht, europäische,. Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 101 f. (Aufgaben der neuen Behörde). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Europäisches System der Zentralbanken, ESZB (European System of Central Banks, ESCB): Europäische Zentralbank und die Nationalen Zentralbanken aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Es umfasst also neben den Mitgliedern des Eurosystems auch die Nationalen Zentralbanken jener Mitgliedstaaten, welche den EUR nicht eingeführt haben. Wenn von der (praktischen) Geldpolitik des ESZB gesprochen wird, bezieht man dies aber (in der Regel!) auf das Eurosystem. Siehe Subsidiaritätsprinzip. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 1999, S. 59. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Euroraum (euro area): Gebiet derjenigen EU-Mitgliedstaaten, die den EUR als einheitliche Währung eingeführt haben. Siehe Eurogebiet, Eurogruppe, Euroland, Eurostaaten, Eurosystem, Euro-Währungsgebiet, Wirtschaftspolitik, europäische. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 1999, S. 33. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Euro-Wechselkurs (euro exchange rate): Der effektive nominale Wechselkurs des EUR, wie er von der EZB berechnet wird, ist ein gewogenes geometrisches Mittel der Wechselkurse des EUR gegenüber den Währungen der (zurzeit) 38 wichtigsten Handelspartner des Euro-Währungsgebiets. Der effektive reale Wechselkurs des EUR wird auf Grundlage von Verbraucherpreis-Indizes berechnet. Siehe Euro-Referenzkurs. Vgl. die laufenden Werte im Anhang „Statistik des Euro-Währungsbiets“, Rubrik „Wechselkurse“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB, Monatsbericht der EZB vom April 2000, S. 41. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Eurozinsmethode (act/360) (actual/360): Methode zur Zinsberechnung bei der die Zinsen taggenau berechnet werden, wobei für die Ermittlung des Zinsdivisors das Jahr zu 360 Tagen angenommen wird. Diese Zinsberechnungsmethode findet bei den geldpolitischen Operationen der EZB generell Anwendung. Siehe Actual/Actual, Effektivzins, Zinstagezählung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

EZB (ECB): Im engeren Sinne Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main und ihre Organe als Institution. Im weiteren Sinne die Europäische Zentralbank und die nationalen Zentralbanken der Mitgliedstaaten der EU, welche den EUR eingeführt haben. Wenn von der (praktischen) Politik der EZB die Rede ist, meint man den weiteren Begriff. Siehe Einwirkungsverbot, Euro, Europäisches Währungsinstitut, Strukturkonservativismus, Wirtschaftsregierung, europäische. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2000, S. 51 ff. (Beziehung der EZB zu den Organen und Einrichtungen der EU). Zur allfälligen Verschlechterung des verfassungsrechtlichen Status der EZB vgl. Jahresbericht 2003 der EZB, S. 138 f., S. 173, Monatsbericht der EZB vom August 2004, S. 57 ff. (ausführliche Erörterung), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2009, S. 89 ff. (Veränderungen in der Bilanz der EZB; Vergleiche zu anderen Zentralbanken; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2010, S. 77 ff. (Verhältnis der EZB zu EU-Organen; Rechtsquellen; Beurteilung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2010, S. 50 (Rechtstellung der EZB im Lissabon-Vertrag).

E-Zahlung (e-cash): Die elektronische Abbuchung (debiting) von einem Konto. Siehe Bezahlverfahren, innovative, Filialsystem, Internetbank, Karte, Metcalfe-Regel, Online-Banking, Remote Banking, Sofa-Banking. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.