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13. Dezember 2017

Finanzlexikon

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Das Finanzlexikon wird laufend ergänzt, da der Umfang enorm ist. Der Inhalt mit seinen sehr anschaulichen Beschreibungen und Formulierungen ehört mit Sicherheit zum Besten, was in Finanzbereich zu finden ist. Ein besonderer Dank für diese einmalige Quelle des Wissens aus dem Finanzbereich gilt Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk von der Universität Siegen.

Abandon (abandon): Wenn nicht anders definiert, meint man damit in der Finanzsprache die Aufgabe (das Nichtausüben) einer Option. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abfragegebühr (query charges): Wenn nicht anders definiert, im Finanzbereich die Aufwendungen, welche einer Bank durch die Einholung einer Bonitätsauskunft über eine Darlehnsuchenden entstehen. Mit dieser Gebühr wird in der Regel der Kunde belastet. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abgeltung(s)steuer (flat rate [withholding] tax): Ein einheitlicher Steuersatz auf – Œ jederart Kapitalerträge(vor allem Zinsen und Dividenden) sowie –  Gewinne aus der Veräusserung von Finanzprodukten. – Wie die Erfahrung lehrt, spielt (was in den Modellen der Finanztheorie in aller Regel grosszügig vernachlässigt wird) die steuerliche Belastung einer Investition eine (wenn nicht oftmals sogar die allein) ausschlaggebende Rolle. Daher sind alle Fragen um die steuerliche Belastung von Geschäften im Finanzmarkt zu dessen Belebung, Gestaltung, Sicherung und Kräftigung von ganz entscheidender Bedeutung. – Siehe Finanzmathematik, Flat Tax, Groll-Effekt, Spekulationsteuer, Tobin-Steuer, Verrechnungssteuer. – Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 164 f. (Auswirkungen auf das Anlageverhalten), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 136(Umgehungshandlungen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 191(die in Deutschland zum 1. Januar 2009 in eingeführte Abgeltungsteuer bewirkte die Vorverlegung betroffener Geschäfte). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Ablauffonds (expiry fund): Von einer Versicherung angebotene Möglichkeit, vertraglich ausbezahltes Geld aus einer Lebensversicherung für den Kunden in einem Fonds anzulegen. Der besondere Vorteil hierbei ist, dass der Anleger über einen Entnahmeplan (withdrawal arrangement) bestimmen kann, in welcher Höhe und über welchen Zeitraum er Zahlungen aus dem Fonds erhalten möchte. Anders als bei einem üblichen Fonds, lassen sich dadurch auf die besonderen Verhältnisse des einzelnen Kunden genau zugeschnittene Regelungen vereinbaren. Zudem bleibt damit die Versicherung mit dem Kunden in Beziehung.Die so getätigte Finanzanlage des Kunden lässt die Versicherung in der Regel von einer Kapitalanlagegesellschaft verwalten. Notwendige Zeitangleichungen (Termin der gemäss dem ausgehandelten Entnahmeplan mit dem Kunden andererseits) gleicht die Versicherung über ein eigenes internes (Sammel)Konto aus. Captive Fund, Garantiefonds, Lebensversicherungs-Policehandel, Nachgeschäft, Pensionsfonds, Pensionskasse. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Ablehnung (decline): In Zusammenhang mit dem Geldkarten-Geschäft die verneinende Auskunft auf eine Autorisierungsanfrage bei der Karten ausgebenden Bank. Dabei wird ein Applikationskryptogramm (application authentication cryptogramme) erstellt und gespeichert, um auffällige Kartennutzer herauszufiltern. – Siehe Autorisierung, Computerzahlung, Geld, elektronisches, Geldautomaten-Sperre, Geldbörse, elektronische,Geldkarte, Geldwäsche, Karten-Echtheitsprüfung, Karteneinsatzdatei, Kreditkarte, Netzgeldgeschäft, Pay per Touch, Radio Frequency Identification, Scoring, Ticketing, elektronisches. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abschlussgebühr (acquisition fee): Der bei Bausparkassen und Versicherungen übliche Betrag, der dem Kundenfür die Kosten in Zusammenhang mit dem Zustandekommen eines Vertrags – Œ in Rechnung gestellt und dann –  in der Regel mit den ersten Einzahlungen verrechnet wird. – Häufige Klagen über zu hohe bzw. undurchsichtige Abschlussgebühren machen einen Gutteil der bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eingehenden Beschwerden aus. – Siehe All-in-Fee, Bankgebühren, Bearbeitungsgebühr, Courtage, Entgelt, Front Loading Fee, Gebühr, Provision, Taxe, Vergütung. – Vgl. den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel “Querschnittsaufgaben”, Abschnitt “Verbraucherbeschwerden”; dort auch Fälle aus der Praxis in Bezug auf Abschlussgebühren. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

ABS-Fonds (ABS fund): Sondervermögen einer Kapitalanlagegesellschaft, die ganz oder zu einem sehr hohen Anteil in forderungsgesicherte Wertpapiere (Asset Backed Securities) in die betreffende Vermögensmasse investiert hat. – Im Zuge der Subprime-Krise mussten einzelne ABS-Fonds spürbare Werteinbussen hinnehmen. Die Verluste einzelner Fonds (als Vergleich zwischen Höchst- und Tiefstand im Jahr 2007) in der Spitze über 30 Prozent. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Absicherung (herging): Auf dem Kreditmarktdas Eingehen einer Sicherungsnehmer-Position durch Verkaufdes Kreditrisikos an einen Sicherungsgeber (fixed rate payer), und wennnichts anders gesagt mittels eines Kreditderivats(seltener auf Bürgschaften und Garantien bezogen). Die Übertragung eines aus einer ungünstigen Preisbewegung allfällig entstehenden Verlustrisikos durch den Kauf oder Verkauf von Kontrakten im Terminmarkt. – Soll eine Gut (Finanzprodukt, Ware)in der Zukunft gekauft werden, so kauft man heute einen Terminkontrakt (lang herging). Soll die Ware in der Zukunft verkauft werden, dann verkauft man heute einen Terminkontrakt (schort herging). Bei einem Finanzprodukt die Gewähr, dass das Papier grundsätzlich zum Emissionspreis zurückgenommen wird, wie bei einem Garantieprodukt oder Garantie-Zertifikat. Siehe Aushaftung, Aval, Call, Hedge-Geschäft, Ersatz-Sicherungsgeschäft, Futures-Märkte, Kreditderivat, Kreditereignis, Long-Hedge, Modellrisiko, Put, Risiko, Rohstoffpreisrisiko, Rohstoff-Terminvertrag, Option, Rollover-Kredit, Short-Hedge, Spekulation, Waren-Terminkontrakt, Worst Case Hedging, Zinsoption, Zinstauschgeschäft. Quellenangabe:Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abzahlung (partial payment, payment by instalment; clearing off): Teilzahlung eines Betrags in Raten. Die völlige Ablösung einer Schuld durch Zahlung. Siehe Tilgung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abzinsung (discounting): Rechenverfahren der Zinseszinsrechnung. Es gestattet die Errechnung des Barwertes (Gegenwartswertes) aus einem gegebenen Endbetrag bei gegebener Laufzeit und Verzinsung mit Hilfe des Diskontierungsfaktors. – Siehe Finanzmathematik, Kapitalisierung, Kapitalwert, Netto-Kapitalwert. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2010, S. 66 f. (Ermittlung der Sätze nach der Rückstellungsabzinsungsverordnung bei der Deutschen Bundesbank). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abzocker (con artist, rip-off artist): Anbieter, die Personen mit vielerlei zweifelhaften Methoden zu einem Vertragsabschluss gegen ihren Willen bringen, wobei nicht zwingend die strafrechtlichen Voraussetzungen des Betrugs erreicht werden müssen. Weil jedoch Abzocker die Bezahlung des so gewonnenen Kunden in aller Regel über eine Bank tätigen, so geraten auch die entsprechenden Institute in Verruf, die Machenschaften der Abzocker zu unterstützen. Die Aufsichtsbehörden können Banken lediglich auf solche fraglichen Geschäftsbeziehungen hinweisen, nicht jedoch eine Kündigung des Kontos verfügen. Siehe Cold Calling, Daimonion, Darkrooming, Domizil-Verschleierung, Finanzforen, Finanzgeier, Kapitalmarkt, grauer, Racheengel, Spam-Mails, Winkelmakler. Vgl. Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 242 f. (BaFin kann nicht direkt einschreiten; Abzocker wehren sich vor Gericht erfolgreich gegen Kontenkündigung). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Account (so auch häufig im Deutschen gesagt): Konto, Abrechnung. Zugangsberechtigung(access authorisation) zu einem IT-System. Bericht, Schilderung, Darlegung. Siehe Finanzsprache. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Avance Letter (so auch im Deutschen; seltener Warmhaltebotschaft): Im Finanzbereich ein Werbebrief (ad mail) mit dem Zweck, Aufmerksamkeit für die Dienste einer Bank zu erwecken; in der Regel als Vorlauf zu einem späteren Anruf oder Besuch und oft mit einem Lockangebot (Köder; appetiser) ausgestattet. Siehe Akzessibilität, Anruf-Ankündigung, Beziehungspflege, Call Centre, Canvassing, Cold Calling, Mail Shot. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Agio (agio, premium): Allgemein eine Summe, die zu einem gegebenen Betrag hinzuzurechnen ist. Siehe Aufgeld, Zuschuss, Zuzahlung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Airbag-Zertifikat (airbag certificate; airbag = Prallkissen): Zertifikat, bei dem der Anleger an der Kurssteigerung eines Basiswertes je nach Partizipationsfaktor teilnimmt. Verluste des Basiswertes werden bis zu einer vereinbarten Schwelle abgefedert. Notiert der Basiswert bei Fälligkeit oberhalb des Basiskurses, dann erhält der Anleger den Gegenwert ausbezahlt. Liegt der Basiswert am zum Fälligkeitstermin unterhalb des Basiskurses, so gewinnt der Tilgungsfaktor an Bedeutung. Dieser errechnet sich, indem man den Basiskurs durch das Absicherungsniveau teilt. Der Tilgungsfaktor wird in der Regel in Prozent angegeben; durch Multiplikation mit dem Basispreis ergibt sich der Rückzahlungsbetrag an den Anleger bei Fälligkeit. Airbag-Zertifikate weisen meistens eine Laufzeit von vier bis fünf Jahren auf. – Wie bei fast allen Grundtypen, so gibt es auch bei diesem Zertifikat zahlreiche Varianten. Beim Airbag-Plus-Zertifikat wird die Teilnahme an den Kurssteigerungen durch einen Cap begrenzt; dieser Nachteil wird durch einen höheren Partizipationsfaktor ausgeglichen. Siehe Bonus-Zertifikat, Diskont-Zertifikat, Express-Zertifikat, Garantie-Zertifikat, Hebel-Zertifikat, Outperformance-Zertifikat, Partizipations-Zertifikat, Sprint-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat, Zertifikat. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Akkreditiv (letter of credit, L/C): Ein Dokument, durch welches jemanden bei einem Dritten (in der Regel: bei einer Bank) ein Kreditlinie eröffnet wird. – Früher wurde ein solches Schreiben gewöhnlich Reisenden mitgegeben, die durch diesen Kreditbrief auch gleichzeitig dem Adressaten empfohlen wurden. Siehe Borgkraft, Eventualforderung, Kreditlinie. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.


Aktie (share, US: stock): Wertpapier, das den Anteil an einer Gesellschaft (in Deutschland an einer Aktiengesellschaft [AG] oder Kommanditgesellschaft auf Aktien [KGaA]) verbrieft. Die Ausgabe von Aktien wird als Begebung (Emission) bezeichnet. Aktien, die gemeinsam begeben werden, bezeichnet man als Tranche. Aktien werden zunächst bei der Gründung der Gesellschaft und später üblicherweise im Rahmen von Kapitalerhöhungen ausgegeben. – Die Besonderheit der Aktie liegt darin, dass sie (im Gegensatz zu sonstigen Schuldtiteln) vom Emittenten nicht zurückbezahlt werden muss und an der Börse gehandelt werden kann. – Aktionärsrechte werden regelmässig durch Stammaktien (im Börsenjargon auch “Stämme”; ordinary shares, US: common stocks) vertreten. Die Gesellschaft kann darüber hinaus Anteile auch in Form von Vorzugsaktien (im Börsenjargon “Vorzüge”; preference share, US: preferred stock) mit bestimmten, gesetzlich umrissenen Sonderrechten begeben. Siehe Aktienmarkt, Anteilschein, Emissionsgeschäft, Ersterwerber, Garantiesyndikat, Konzertzeichner, Leeraktie, Leitwert, Plazierung, Quotenaktie, Safe Haven Flows, Schmuckanleihe, Stammaktie, Vorratsaktie, Wert, zyklischer, Wertpapier-Verkaufsprospekt, Zulassungsstelle, Zweitplazierung, Zwischenschein. Vgl. den Anhang “Statistik des Euro-Währungsbiets”, Rubrik “Finanzmärkte” im jeweiligen Monatsbericht der EZB, dort Umlauf und Jahreswachstumsraten von Aktien, nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilt. In der Rubrik “Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten”, Unterrubrik “Wichtige Verbindlichkeiten der nichtfinanziellen Sektoren” auch Daten über die Emission von börsennotierten Aktien. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienfonds (share based fund, equity fund): Hauptsächlich in Aktien angelegtes Vermögen einer Kapitalanlagegesellschaft. Siehe Aktienkurs-Gleichlauf, Aktienquote, wahre, Anlageausschuss, Balanced Fund, Länderfonds, Long-Short-Arbitrage, Spezialfonds. – Im jeweiligen Monatsbericht der EZB finden sich im Anhang “Statistik des Euro-Währungsgebiets”, Rubrik “Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds”, Unterrubrik “Aktiva der Investmentfonds im Euro-Währungsgebiet nach Anlageschwerpunkten und Anlegergruppen” detaillierte Aufstellungen über die Aktienfonds. Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 177 (Richtlinie über Fondskategorien), Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 28 ff. (anteilsmässige Gliederung der Fonds). – Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft “Kapitalmarktstatistik” der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, den Anteilumlauf und das Vermögen inländischer Aktienfonds (domestic share based), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienindex (share index): Anhand eines Musterdepots (Aktienkorb) errechnete statistische Kennzahl über die Entwicklung der erfassten Aktienkurse an einer oder mehrerer Börsen. Der Stand des jeweiligen Index hat (wie die Erfahrung zeigte) für Kauf- und Verkaufsentscheidungen eine erhebliche Bedeutung. Auch gelten Gesamtmarkt-Indizes (wie etwa der Dax) weithin als Konjunkturbarometer. – Bei längerer Betrachtung eines Aktienindex ist stets auf Veränderungen des Aktienkorbes zu achten. Auch muss das nicht selten anzutreffende Übergewicht bestimmter Standardwerte, und sintemal bei kleineren Börsen, berücksichtigt werden. Siehe Composite, Dax, Dow-Jones-Average, Kursindex, Nemax, Performanceindex, Swiss Market Index, Xetra. Vgl. den Verlauf wichtiger Indizes im Teil “Statistik des Euro-Währungsgebiets” des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Rubrik “Finanzmärkte”, Unterrubrik “Börsenindizes”; Monatsbericht der EZB vom Juni 2006, S. 40 f. (Veränderungen in der Zusammensetzung der Aktienkurs-Indizes; mit Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktien-Optionen (share [US: stock] options): Vertrag, derfür den Käufer das Recht (nicht aber die Verpflichtung) enthält, an einem oder bis zu einem bestimmten Zeitpunkt Aktien zu einem festgelegten Preis (Ausübungspreis) zu kaufen oder zu verkaufen. Gemäss den International Accounting Standards müssen Aktien-Optionen als Ausgaben bilanziert werden; in Deutschland gehören sie noch immer zum Ausserbilanzgeschäft. Spitzenmanagern (chief executive officers, CEOs) gewährte Bezahlung mit Anteilen am eigenen Unternehmen. Der ursprüngliche Sinn ist, dem Management einen Anreiz zu bieten, den Wert des Unternehmens zu steigern. Weil jedoch der Ausübungspreis bei fallenden Börsenkursen oftmals nach unten angepasst wird, und weil sich grundsätzlich das Einkommen der Vorstandsmitglieder nicht mindert, wenn der Unternehmenswert sinkt, geriet diese Vertragsart ab etwa 2000 stark in die öffentliche Kritik (sie schaffe “perverse Anreize”). Siehe Aktienanleihe, Belegschafts-Aktien, Call, Dedicated Short Bias, Hedge-Fonds, Hurdle Rate, Nominee, Option, Put, Vorstandsbezüge. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktien-Rückkauf (buyback of shares): Der Rückkauf eigener Aktien durch eine Gesellschaft. Dies ist dann für das Unternehmen sinnvoll, wenn mehr Eigenittel zur Verfügung stehen, als für Investitionen nötig sind. Durch den Aktienrückkauf steigt in der Regel der Wert der an der Börse verbleibenden Aktien. In Deutschland darf der Nennwert der so erworbenen Aktien nach derzeitiger Rechtslage 10 Prozent des Aktienkapitals nicht übersteigen. Siehe Erwerbsangebot, Pflichtangebot, Self Tender, Squeeze-out, Vorratsaktien. Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 208 (zur aufsichtsrechtlichen Seite), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 175 (Missbrauchsgefahr), Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung), Monatsbericht der EZB vom Mai 2007 (lehrbuchmässige Darstellung; Übersichten; Literaturhinweise). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Akzept (acceptance): Die Annahme einer Wechselschuld durchden Bezogenen (drawee). Er wird durch seine Unterschrift rechtlich zum Akzeptanten (Akzeptor; acceptor) mit der Verpflichtung, den Wechselbetrag bei Fälligkeitzu zahlen. Ein von der Bank hereingenommener Wechsel. Der Kunde lässt diesen im Regelfall bei der Bank diskontieren und zahlt dem Institut das so gewährte Darlehn (acceptance credit) bei Fälligkeit des Wechsel zurück. Siehe Bezogener, Diskont, Diskontsatz, Notenbankfähigkeit, Reitwechsel, Retoure, Wechsel, Wechselkredit. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Allokation (allocation): Allgemein die Verteilung beschränktzur Verfügung stehender Mittel auf verschiedene Verwendungsmöglichkeiten. Imbesonderen die Zuweisung von Geld an den besten Wirt (most favourable allocationof resources) im Marktprozess. Für den Regelfall wird dabei unterstellt dass der erfolgreichste Wirt(schafter) auch den höchsten Zins zu zahlen bereit ist, weil er sehr aussichtsreiche Vorhaben finanziert bzw. Engpässe (bottlenecks) aufbricht. Siehe Anlage-Streuung, Investition, Risikoignoranz. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Alternativbank (alternative bank): Institut, das sich hinsichtlich der Einlagen mit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe verbunden ist und in der Regel auch in Bezug auf die Ausleihungen besondere Ziele verfolgt. In Deutschland zählt hierzu beispielsweise die anthroposophisch ausgerichtete “Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken” in Bochum. Siehe Bank, kirchliche, Beziehungsbankgeschäft, Clubbing, Geomarketing, bankliches, Kundenbindung, Networking. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Altersvorsorge-Einrichtung (pension fund institution): Wenn nicht anders definiert ein Spezialfonds mit dem Zweck, aus den Erträgen in den Ruhestand tretenden Personen mit einer Rente auszustatten. Siehe Altersvorsorge-Verträge, Beamtenvereine, Pensionsfonds, Tontine. Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft “Kapitalmarktstatistik” der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, das Mittelaufkommen (net sales receipts) und das Vermögen entsprechender inländischer Einrichtungen (domestic pension fund institutions), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt. Im jeweiligen Jahresbericht der BaFin finden sich in dem Kapitel “Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds” Angaben über die Geschäftstätigkeit der Altersvorsorge-Einrichtungen. Monatsbericht der EZB vom Januar 2010, S. 67 ff. (Alterssicherung im Eurogebiet; wichtige Übersichten; mathematische Berechnung der Ansprüche; neue Erfassungs- und Berechnungsmethodik): Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anfangskapital (initial capital): Bei einem Kreditinstitut in der EU der Nachweis gegenüber der Aufsichtsbehörde bei Beantragung einer Erlaubnis, dass dieses über einen bestimmten Betrag eigener Mittel (derzeit 5 Mio Euro) verfügt. Rechtsquelle ist Artikel 9 der Richtlinie 2006/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Juni 2006 über die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute (Neufassung). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anglizismen (anglicisms): Entlehnungen aus der englischen Sprache, die in die Landessprache eingedrungen sind. Weil die Finanzwelt weithin globalisiert ist, so häufen sich hier begreiflicherweise Wörter und Redensarten aus dem Englischen. Wenn das immer wieder als Unart des Zeitgeistes gerügt wird, so ist dies falsch. Schon alte Kaufmannssprache sog sich mit italienischen Wörtern (wie Debet, Konto, Storno) voll, und die alte Börsensprache nahm viele Entlehnungen aus dem Französischen (wie Kupon, Baisse, Journal) auf. – Siehe Finanzsprache. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anlage-Ausschuss (investment advisory committee): Gremium, zusammengesetzt aus den verschiedenen Sachkundigen einer Kapitalanlagegesellschaft, Bank oder Versicherung, das zu regelmässigen Sitzungen zusammentritt, um über Käufe und Verkäufe von Wertpapieren und anderen Vermögensgegenständen (wie Beteiligungen, Edelmetalle, Grundstücke, Kunstwerke, Optionen) zu beraten. In der Regel hat der Anlageausschuss auch Entscheidungsbefugnis. Siehe Advisor, Aktiva-Passiva-Ausschuss, Aktuar, Anlage-Qualität, Immobilienfonds, Vieleck, magisches. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anlagemodell (portfolio model): Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter logisch begründete Ratschläge an einen Investor, wie er sein Portfolio am günstigsten einrichtet. Die meist sehr stark mathematisierten bezüglichen Modelle vernachlässigen in aller Regel die bei der Entscheidungsfindung äusserst wichtigen steuerlichen Gesichtspunkte. Sie sind für Anleger daher kaum eine Hilfe bei ihrer Entscheidungsfindung. Siehe Anlage-Risiko, Behavioural Finance, Erwartungstheorie, neue, Financial Engineering, Finanzpsychologie, Finanztheorie, Portfolio-Optimierung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anlage-Streuung (portfolio diversification): Das Bestreben, sich gegen starke Veränderungen im Preis von Wertpapieren (und Vermögensgegenständen überhaupt) durch Aufteilung in verschiedene Titel zu schützen. Verschiedene Portfoliotheorien bilden eine solche Diversifikation in teilweise sehr mathematisierten (mathematised) und fast immer die steuerlichen Gegebenheiten ausklammernden Modellen an. Gegen (gar weltweit) ausgeprägte, marktweite Kursänderungen von Anlagegegenständen aller Art kann man sich aber grundsätzlich nicht schützen, weil diese durch Gleichläufigkeit gekennzeichnet sind. Siehe Allokation, Anlagemodell, Anlage-Risiko, Erwartungstheorie, neue, Financial Engineering, Finanztheorie, Finanzmarkt-Stress, Portfolio-Optimierung, Preisänderungen, gleichlaufende, Risiko, systematisches, Volatilität. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 62 f. (Volatilität in der Vergangenheit, mit verschiedenen Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anlegerschutz (protection of [for] investors): Alle Vorkehrungen mit dem Ziel, Misstände in allen Sektoren auf der Angebotsseite des Finanzmarktes zu verhindern. Siehe Aufsicht, Ausschuss-Wahn, Beaufsichtigung, vollständige, Capture-Theorie, Herstatt-Pleite, Marktmanipulation, Marktmissbrauchs-Richtlinie, Pensionsfonds-Richtlinie, Rechtsrisiken, Reithinger-Masche, Richtlinie über die Märkte für Finanzinstrumente, Sarbanes-Oxley Act, Solarenergie, Sparerschutz, Straitjacking. Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 126 f. (zum Anlegerschutzverbesserungsgesetz), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 34 (Empfehlungen zum Thema Financial Education), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 48 f. (besondere Regelungen bei Versicherungsprodukten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.


Anleihe (bond, loan): Allgemein die Aufnahme fremden Geldesdurch eine Wirtschaftseinheit; ein Darlehn, ein Kredit. Im besonderen eineSchuldverschreibung (Obligation), die in bestimmter Stückelung und mit zuvor festgelegter Verzinsung von Unternehmen oder dem Staat ausgegeben werden. Bei der Finanzierung über Anleihen fallen unabhängig von der Höhe des aufgenommenen Betrags ansehnliche Ausgaben (wie Provisionen, Beratungs- und Veröffentlichkosten) an. Allein wegen der hohen Fixkosten einer Emission kommen Anleihen daher nur für Firmen mit hohem Fremdkapitalbedarf in Frage. Siehe Aktienanleihe, Annuitätsanleihe, Auslandsanleihe, Bankschuldverschreibung, Borgkraft, Clean Price, Darlehn, Disagio, Duration, Euromarkt, Finanzinstrument, Fiscal Agent, Fremdwährungsanleihe, Geldwerte, Gemeindeanleihen, Inhaberschuldverschreibung, Kredit, Kreditspread, Kriegsanleihe, Laufzeitenrisiko, Metalliques, Payment-in-Kind-Anleihe, Plazierung, Schuldtitel, Staatsanleihe, Straight Bond, Umtausch-Anleihe, Verlosung, Sparprämienanleihe, Step-down-Anleihe, Tap, Umwandlung, Unternehmensanleihen, Verbriefung, Wandelanleihe, Zinsänderungsrisiko, Zinsstruktur, Zwangsanleihe, Zwangswandelanleihe. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 26 ff. (Statistisches), Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 74 (Vergleichbarkeit der Statistiken), Jahresbericht 2005 der EZB (Anleihen öffentlicher Haushalte im Euroraum, mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 18 ff. (Anleihen im Eurogebiet seit 2006; Typologie; Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Annuität (annuity, quasi-rent): Zins plus Tilgung; allgemeinZahlungen in konstanter Höhe, die in einem gleichen Abstand über eine bestimmte Laufzeit zu Beginn (vorschüssige Annuität) oder am Ende (nachschüssige, äquivalente Annuität) einer Periode erfolgen; Bei einer Investition die Summe aus dem (jährlichen) Tilgungsanteil und dem Zinssatz. Siehe Abzinsung, Aufzinsungspapier, Commercial Papers, Finanzierungsschätze des Bundes, Nullkupon-Anleihe. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Annuitätsdarlehn (annuity loan): Kredit, bei dem die ausborgte Summe in einer bestimmten Weise aus Zins und Tilgung zurückbezahlt wird. Dabei bleibt die zu zahlende Tilgungsrate bis zur Fälligkeit gleich. Weil aber mit jeder Abschlagszahlung ein Teil der Restschuld getilgt wird, so mindert sich der Zins-Anteil zugunsten des Tilgungs-Anteils. Am Ende der Laufzeit des Darlehns ist die Schuld dann vollständig getilgt. Siehe Annuität, Annuitätsanleihe, Investition, Investitionskredit, Konditionen-Spreizung, Kredit, Kreditlinie, Ratendarlehn, Schwundgeld, Verzinsung, Wucher, Zins(satz). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aufwertung (revaluation): Die behördliche Neufestsetzungdes Vergleichswerts einer Währung zu einem zugrunde gelegten Masstab (Gold,USD, Sonderziehungsrecht) nach oben. Dies bietet sich an, wenn der Wechselkurseiner Währung über längere Zeit hinweg und erwartungsgemäss auch in Zukunft über dem festgelegten Austauschverhältnis liegt. Der Kurs (Marktpreis) einer Währung steigt infolge zunehmender (internationaler) Nachfrage für längere Zeit unverhältnismässig stark an; die bezielte Währung verteuert sich. Siehe Abwertung, Aufwertungsdruck, Parität, Portfolio-Umschichtung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

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