Chinesische Goldnachfrage – nicht so düster – wie zuvor

25. November 2015 |Kategorie: Aktuelles, Allgemein

Die Goldpreise werden in erster Linie von der Politik der US-Notenbank bestimmt, erklärt ein chinesischer Analyst. Die chinesische Goldnachfrage erholte sich im dritten Quartal 2015 wieder, wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht. Aber sie bleibt hinter der Nachfrage Indiens zurück, das nun seinen Titel als Land der weltweit größten Goldverbraucher zurückerobert.

Die höhere Nachfrage in Indien wurde durch die nur langsame Erholung der vorherigen Abnahme in China ausgeglichen“, steht im neuen Bericht Q3 2015 Review and Outlook der Fachanalysten von Thomson Reuters GFMS. „Obgleich im zweiten Fall die Nachfrage nicht so düster wie in der ersten Jahreshälfte war.“ Der Bericht wird seit 1967 regelmäßig veröffentlicht. Laut der jüngsten Ausgabe nahm von Juli bis September die weltweite Nachfrage nach physischem Gold um 7% gegenüber demselben Zeitraum des Vorjahres zu. Aufgrund vermehrter Käufe durch Zentralbanken und ausgezeichneter Verkäufe von kleinen Barren und Münzen im Einzelhandel erreichte die Nachfrage ihren höchsten Stand seit dem ersten Quartal 2014.

Und das, obwohl die Goldpreise – gemessen in US-Dollar – im dritten Quartal durchschnittlich 12% unter den Preisen des Vorjahres lagen. Die gesamte private Goldnachfrage aus China beläuft sich auf 196 Tonnen, was rund 18% der ermittelbaren weltweiten Nachfrage im dritten Quartal entspricht. Hingegen stellt die Menge an gekauftem Gold in Indien 23% der weltweiten Nachfrage dar – laut GFMS ein 3-prozentiger Zuwachs im Vergleich zum letzten Jahr, da Anleger „den Glauben an den heimischen Aktienmarkt verloren haben, wodurch Gold als alternative Anlage wieder attraktiver wurde“.

Wie aus dem Gold Survey Update hervorgeht, stieg die chinesische Nachfrage „sowohl für [Gold-] Schmuck als auch für Anlagebarren unmittelbar, nachdem der Goldpreis Mitte Juli unter die Marke von 1100 USD fiel“ und das Edelmetall seinen niedrigsten Wert seit fünfeinhalb Jahren erreichte. Neben den vermehrten Käufen der chinesischen Zentralbank war auch die Abwertung des Yuan Mitte August ein ausschlaggebender Faktor für die steigende Kauflust unter chinesischen Privatanlegern. Die offizielle Geldentwertung „erhöhte die Angst vor weiteren Abwertungen in der Zukunft und trug somit zur Attraktivität von Gold als sicherer Hafen bei“, fügte GFMS hinzu.

Im Gespräch mit Journalisten auf der jährlichen Goldkonferenz der LBMA sagte Shu Jiang, leitender Analyst der staatseigenen Goldminengesellschaft Shangdong, dass es „zwischen 2000 und 2011 eine starke Korrelation zwischen den Goldpreisen und der chinesischen Nachfrage“ gegeben hätte.

Allerdings erklärt dies nicht die geringe Korrelation zwischen 2012 und 2014. Mit Blick auf den zukünftigen Einfluss von Chinas starker Goldnachfrage auf die inländischen und weltweiten Preise verweist Jiang auf 588 kürzlich veröffentlichte Artikel auf Hexun.com, die größte Finanznachrichtenseite des Landes. Darin ziehen zahlreiche Analysten die Schlussfolgerung, dass andere Faktoren – allen voran die Politik der US-Notenbank bezüglich ihrer quantitativen Lockerung und des Zinssatzes – eine weitaus wichtigere Rolle für die Goldpreise spielen als die Nachfrage aus China.

Unterdessen stiegen die Goldimporte auf das chinesische Festland über Hongkong – bis 2014 die einzige offiziell anerkannte Route – im September auf den höchsten Stand seit zehn Monaten, wie aus in dieser Woche veröffentlichten Daten hervorgeht. Allein im September flossen netto, also abzüglich der Ausfuhren, 97 Tonnen Gold über Hongkong nach China. Dies ist die vierfache Menge von Juli und 42% über der in September 2014 importierten Goldmenge.

Von Steffen Grosshauser
BullionVault


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